Rituale am Karfreitag – Philippiner lässt sich seit 29 Jahren kreuzigen

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Rituale am KarfreitagPhilippiner lässt sich seit 29 Jahren kreuzigen

Kreuze, Blut und Peitschen: Seit drei Jahrzehnten lässt sich ein Filipino Nägel in Hände und Füße schlagen – aus Dankbarkeit.

Wie jedes Jahr haben sich mehrere strenggläubige philippinische Christen am Karfreitag ans Kreuz schlagen lassen, um die Leiden Jesu Christi nachzuvollziehen. Als römische Legionäre verkleidete Männer trieben auf einem Hügel im Dorf San Pedro Cutud Nägel durch die Hände und Füsse von mindestens sechs Philippinern. Einige von ihnen schrien vor Schmerzen.

Die Kirchenführung kritisiert das jährliche Ritual. Doch zog die Zeremonie in San Pedro Cutud mindestens 4000 Schaulustige und Touristen an. Insgesamt waren in mehreren Ortschaften rund 70 Kilometer nördlich von Manila rund 60'000 Besucher vor Ort, um die blutigen Spektakel zu verfolgen, schätzten die Behörden.

Die durch die Nägel verursachten Wunden heilen innerhalb weniger Wochen. Bleibende Schäden oder größere Verletzungen sind nach Angaben von Teilnehmern und Veranstaltern nicht bekannt.

Füße werden an Brett genagelt

Der sogenannte Haupt-Kristo in San Pedro wird seit 29 Jahren von Ruben Enaje Jr. verkörpert. Er lässt sich als Dank für einen glimpflich abgelaufenen Sturz von einem Baugerüst kreuzigen, wie er der Nachrichtenagentur DPA vor einem Jahr verriet. Er werde weitermachen, obwohl die Schmerzen von Jahr zu Jahr schlimmer würden.

Die Gekreuzigten stehen auf einem Holzbrett, das am Kreuz befestigt ist. Darauf werden ihre Füsse angenagelt – im Zwischenraum zwischen dem grossem Zeh und dem zweiten Zeh. Ausserdem werden die Kristos mit den Armen am Querbalken festgebunden, dadurch lastet weniger Gewicht auf den festgenagelten Händen.

Israel erwartet 130'000 Besucher

Auch in Jerusalem haben die religiösen Feierlichkeiten zum Karfreitag begonnen. Im Beisein des lateinischen Patriarchen Fouad Twal begingen Gläubige in der Grabeskirche die katholische Liturgie zur Erinnerung an das Leiden und Sterben von Jesus Christus.

Der Überlieferung zufolge wurde die Grabeskirche an jener Stelle errichtet, an der er gekreuzigt wurde. Ab Mittag wollen Gläubige den Leidensweg Jesu nachempfinden: Bei einer Prozession durch die Via Dolorosa gehen Gläubige die Stationen auf dem Kreuzweg ab.

Für die Feierlichkeiten des jüdischen Pessach- und des christlichen Osterfestes werden in Israel nach Angaben des Tourismusministeriums rund 130'000 Besucher erwartet.

(L'essentiel / mlr/sda)

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