Stockholm – Physik-Nobelpreis geht an drei Klimaforschende

Publiziert

StockholmPhysik-Nobelpreis geht an drei Klimaforschende

Mit der Bekanntgabe der Preisträger in Medizin begannen am Montag in Stockholm die Tage der Nobelpreis-Verkündungen. Am Dienstag wurde der Physik-Nobelpreis verliehen.

Die Nobelpreise werden seit 120 Jahren an Menschen und Organisationen vergeben, die mit ihrem Wirken die Menschheit vorangebracht haben. So wollte es der Stifter, der schwedische Chemiker Alfred Nobel (1833–1896) , der unter anderem das Dynamit erfand.

mRNA-Forschende waren heiße Anwärter

Erst in diesem Jahr konnte die Forschung zur Bekämpfung des Coronavirus bei der Auswahl der Anwärter und Anwärterinnen für die renommierten Auszeichnungen berücksichtigt werden. Chancen ausrechnen konnten sich demnach auch Forschende, die mit mRNA-Impfstoffen die Corona-Pandemie bekämpft haben. Darunter unter anderem das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci, das 2008 Biontech gegründet hat.

Medizin-Nobelpreis an zwei Molekularbiologen

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an David Julius (USA) und den im Libanon geborenen Forscher Ardem Patapoutian für ihre Entdeckung von Rezeptoren für Temperatur und Berührung im Körper. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

«Eines der Geheimnisse der Natur entschlüsselt»

Julius habe mit einem Stoff einer Chili-Pflanze gearbeitet, wodurch er einen Rezeptor in Haut-Nervenenden gefunden habe, mit dem Hitze wahrgenommen werde, schilderte die Nobel-Versammlung des Karolinska-Instituts in einer Pressemitteilung. Der im Libanon geborene Patapoutian sei über Zellen, die druckempfindlich seien, auf neuartige Rezeptoren gestoßen, die aktiv würden, wenn die Haut und andere Organe mit Stimuli versetzt würden.

«Dies entschlüsselt wirklich eines der Geheimnisse der Natur», sagte der Generalsekretär des Gremiums, Thomas Perlmann. «Es ist tatsächlich etwas, das sehr wichtig für unser Überleben ist, also ist es eine sehr wichtige und tiefgründige Entdeckung.»

Friedensnobelpreis am Freitag

Der Friedenspreis könnte der einzige Nobelpreis sein, der traditionell bei einer Zeremonie im Dezember in Oslo überreicht wird. Am Dienstag folgte der Physiknobelpreis – er ging an den Deutschen Klaus Hasselmann, Syukuro Manabe (USA) und den Italiener Giorgio Parisi für physikalische Modelle zum Erdklima. Am Donnerstag folgen die Preise für Literatur und am Freitag der Friedensnobelpreis. Den Abschluss bildet am darauffolgenden Montag die Bekanntgabe des Preisträgers oder der Preisträgerin für Wirtschaftswissenschaften.

Nobelmedaille, 1 Million Euro und ein Diplom

Wie im vergangenen Jahr ist die renommierte Auszeichnung mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 1,064 Millionen Euro) pro Kategorie dotiert. Vergeben werden die Preise allesamt an Nobels Todestag, dem 10. Dezember. Dabei erhalten die Ausgewählten auch ihre prestigeträchtigen Nobelmedaillen und Diplome. Die Nobelstiftung teilte bereits mit, dass zumindest bei der Preisverleihung in Stockholm wie im Vorjahr keine Preisträger in der schwedischen Hauptstadt vor Ort sein werden. Sie werden stattdessen in ihren Heimatländern geehrt. Dies wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Reisebeschränkungen.

Frauen holen auf

Die Zahl der Frauen unter den Nobelpreisträgern nimmt stetig zu. Gingen von 1901 bis 1920 nur vier Auszeichnungen an Frauen, lag ihr Anteil in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei 24 Prozent. Bis zum Jahr 2019 einschließlich waren allerdings nur 54 von 923 Preisträgern Frauen, also etwas mehr als fünf Prozent. Mit 2,4 Prozent am geringsten ist der Frauenanteil beim Wirtschafts-Nobelpreis, bei den naturwissenschaftlichen Kategorien liegt er bei 3,2 Prozent.

Höher ist der Frauenanteil beim Literaturnobelpreis mit 13 Prozent und dem Friedensnobelpreis mit 15,9 Prozent. Immerhin war die Person, die als erste zwei Mal mit dem Nobelpreis geehrt wurde, eine Frau: die polnischstämmige Französin Marie Curie. Sie bekam 1903 den Physik-Nobelpreis, 1911 folgte der Chemie-Nobelpreis.

(L'essentiel/AFP/DPA)

Deine Meinung