Vermehrt Fehler – Piloten fehlt wegen Corona die Routine
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Vermehrt FehlerPiloten fehlt wegen Corona die Routine

Weil die Flugzeuge während der Pandemie vermehrt am Boden bleiben, fehlt Pilotinnen und Piloten die Routine. In Australien ist es darum sogar zu Zwischenfällen gekommen.

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Bei der australischen Fluggesellschaft Qantas kam es zu Zwischenfällen.

Bei der australischen Fluggesellschaft Qantas kam es zu Zwischenfällen.

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Die Pilotinnen und Piloten vergassen beispielsweise die Park-Bremsen beim Start zu lösen.

Die Pilotinnen und Piloten vergassen beispielsweise die Park-Bremsen beim Start zu lösen.

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Auch in der Schweiz fehlt der Crew aufgrund der Corona-Pause die Routine.

Auch in der Schweiz fehlt der Crew aufgrund der Corona-Pause die Routine.

20min/Marco Zangger

Weltweit bleiben Flugzeuge seit der Pandemie am Boden. Die Corona-Pause schadet den Airlines nicht nur wirtschaftlich – auch beim Personal hinterlässt sie Spuren: Pilotinnen und Piloten der australischen Fluggesellschaft Qantas unterlaufen darum derzeit fatale Fehler, wie «Bild» schreibt.

So kam es vor, dass die Park-Bremsen beim Start nicht gelöst wurden. Auch brachten die Piloten Flughöhe und Geschwindigkeit der Maschine durcheinander. Zudem passierte es, dass Schalter im Cockpit in der falschen Position standen und Außeninspektionen der Maschine vor dem Start nicht konzentriert abliefen.

Den Pilotinnen und Piloten fehle die Routine. Aufgaben, die zuvor mit minimalem Aufwand erledigt worden sind, erfordern nun mehr Zeit und beeinträchtigen dadurch die Aufmerksamkeit. Bei Quantas setzt man darum nun auf spezielle Wiedereingliederungsprogramme.

Mehr Zeit für Aufgaben nehmen

Auch hierzulande fliegen Pilotinnen und Piloten weniger und haben längere Unterbrüche, wie die Pilotengewerkschaft Aeropers bestätigt. «Die Routine ist nicht die gleiche wie vor der Pandemie», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten.

Es sei darum wichtig, dass sich die Crew dieser Tatsache bewusst sei. Wenn gewisse Abläufe nicht mehr so automatisch laufen, wie früher, müsse sich das Personal beim Erledigen der Aufgaben mehr Zeit nehmen. «Es hat sich aber gezeigt, dass die Routine sehr schnell wieder zurückgewonnen wird.»

Training im Flugsimulator ist ein Muss

Dass es aufgrund der längeren Corona-Pausen zu Zwischenfällen gekommen ist, davon hat Aeropers aber keine Kenntnisse. «Sinnvollerweise bekommt jede Pilotin und jeder Pilot so viel Training, dass sie oder er sich wieder wirklich wohl fühlt und nicht nur die minimalen gesetzlichen Erfordernisse erfüllt werden.»

Das Gesetz fordert drei Starts und drei Landungen innerhalb drei Monaten. Die Swiss-Crew erhält nun in Abhängigkeit von der Absenz vom Flugdienst entsprechend zusätzliches Simulator-Training. Pilotinnen und Piloten, die aus medizinischen Gründen nicht einsatzbereit waren, werden in individuell angepassten Programmen wieder auf Einsätze vorbereitet.

Dabei sind nicht alle Pilotinnen und Piloten unterbeschäftigt: «Bei der Swiss sind zum Beispiel die B777-Crews sehr stark belastet und auch die A220-Pilotinnen und Piloten arbeiten praktisch so viel wie vor der Pandemie», erklärt der Aeropers-Sprecher. Dabei könne Überlastung ebenso zu Fehlern führen und müsse verhindert werden.

(L'essentiel/Barbara Scherer)

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