Braune Armee Fraktion – Planten Neonazis Anschläge auf Politiker?

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Braune Armee FraktionPlanten Neonazis Anschläge auf Politiker?

Nicht nur Ausländer und Polizisten sind angeblich Ziele der Zwickauer Terrorzelle gewesen. Behörden fanden eine Liste mit 88 Namen und Adressen, auf der auch Politiker auftauchen.

Die Zwickauer Terrorzelle hatte offenbar auch Politiker im Visier. Auf einer sichergestellten Liste mit potenziellen Zielen fanden die Ermittler unter anderen den Namen des CSU-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl, wie sein Bundestagsbüro am Mittwoch auf dapd-Anfrage in Berlin bestätigte.

Bis jetzt sei noch unklar, warum das Neonazi-Trio die Liste angelegt habe, berichtet «Spiegel Online». Dort tauchen Namen und Adressen von 88 Personen auf. Neben Uhl sollen der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jerzy Montag sowie Vertreter türkischer und islamistischer Organisationen unter den aufgezählten Personen sein.

Allein die Zahl legt die Verbindung der Terrorzelle zur rechtsextremen Szene nahe: Die Zahl 88 steht für die Abkürzung «Heil Hitler», weil das H der achte Buchstabe im deutschen Alphabet ist.

Behörden geben Fehler in der Fahndung zu

Mittlerweile hat Niedersachsen in der Fahndung nach den Thüringer Rechtsextremsiten grobe Fehler in der Vergangenheit eingeräumt. Noch vor Beginn der Mordserie gab es Erkenntnisse, dass der mutmaßliche Terrorhelfer Holger G., der am Wochenende festgenommen wurde, dem Terroristen-Trio beim Untertauchen helfen sollte, wie Verfassungsschutzpräsident Hans Wargel am Mittwoch in Hannover sagte. Im Herbst 1999 wurde er deshalb nach einer Anfrage aus Thüringen drei Tage lang vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet.

«Er stand also schon damals in Verdacht, Kontakt mit den untergetauchten Rechtsterroristen zu haben», sagte Wargel. Die Bewertung von G. als «Randfigur» sei deshalb falsch gewesen. Allerdings wurden nach der Observation in Niedersachsen selbst keine weiteren Massnahmen ergriffen, obwohl in dem Bericht zur Observation das Wort «Rechtsterrorismus» sowie die Namen der drei mutmaßlichen Terroristen auftauchen.

«Der Bericht wurde nicht in die Auswertungsakten zu seiner Person aufgenommen. Offenbar hat man das ganze als Dienstleistung für Thüringen gesehen», sagte Wargel. Eine Nähe des Verfassungsschutzes zum Rechtsextremismus in Niedersachsen schloss er am Mittwoch aus.

Schünemann kritisiert Abschottung des Verfassungsschutzes

Innenminister Uwe Schünemann (CDU) kritisierte die damals übliche «Abschottung» des Verfassungsschutzes. Es werfe Fragen auf, warum G. damals nicht weiter observiert worden sei oder eine Telefonüberwachung angestoßen wurde, sagte Schünemann. Wären die Erkenntnisse auch in Niedersachsen gespeichert worden, wären auch 2009 wohl nicht die Daten von G. gelöscht worden, sagte Wargel.

Nach Angaben von Wargel war die Observation von Holger G. 1999 ergebnislos. Man habe zwar verschiedene Telefonanrufe von einer Telefonzelle und mit einem Mobiltelefon feststellen können. Wer angerufen wurde, sei aber unklar. Wargel räumte aber ein, dass die Observation nicht rund um die Uhr vorgenommen wurde. Der Bericht zu der Observation wurde in Niedersachsen wie gesetzlich vorgeschrieben nach drei Jahren gelöscht.

Die Behörden in Thüringen hatten den Bericht bis heute bewahrt. Nach einer Anfrage des Bundesamtes für Verfassungsschutz sei dieser nun auch an Niedersachsen übermittelt worden. Schünemann kündigte eine umfangreiche Aufklärung zu dem Vorfall an. Er habe Wargel gebeten, «alle Erkenntnisse in diesem Zusammenhang zusammenzutragen und minutiös aufzuarbeiten.»

(L'essentiel online/dapd )

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