Opfer von Santa Maria – «Plötzlich stand ich auf einem Leichenberg»

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Opfer von Santa Maria«Plötzlich stand ich auf einem Leichenberg»

Die Tragödie von Santa Maria hat nicht nur über 230 Menschenleben gekostet, sondern auch hunderte Angehörige in Trauer zurückgelassen.

Über 230 Leichen liegen in einer Sporthalle des Centro Esportivo Municipal von Santa Maria. Hunderte Familienmitglieder, Freunde und Bekannte der Opfer werden von der Polizei in die Halle geführt und erleben ihre schlimmsten Momente: Sie müssen die Toten identifizieren und gleichzeitig Abschied nehmen.

Beinahe alle Opfer waren junge Studenten, die Behörden veröffentlichten eine Liste der Identifizierten. Die ersten rund 50 von ihnen werden bereits am Montag beerdigt. Was zurückbleibt ist die Erinnerung an sie.

Debora verliert ihren Freund

Emerson Cardozo und seine Freundin Debora Mello da Silva wollten im Kiss-Club die Zusage für einen neuen Job begießen. Die BWL-Studentin und ihr Freund, der bald in einem Restaurant seinen Dienst beginnen sollte, sind seit drei Jahren ein Paar.

«Er war so glücklich, er sagte, heute gehe die Rechnung auf ihn», erzählt Debora der «Folha de São Paulo». Doch es sollte anders kommen. Emerson starb an jenem Abend in der Feuer-Hölle des Clubs. Nur Debora überlebte.

«… aber jetzt ist es für immer»

«Als die Panik ausbrach, gingen wir zum Ausgang. Dort lagen schon viele bewusstlos am Boden, sie wurden zu Tode getrampelt. Plötzlich stand ich auch auf einem Berg von Menschen.» Ihren Freund Emerson hatte sie im Gedränge verloren. Als sie es vor die Türe schaffte, wartete sie vergebens auf ihn. Emerson starb auf einer der Toiletten an einer Rauchvergiftung.

«Ich begreife das alles noch nicht», sagt Debora. «Ich habe seine Leiche schon gesehen, aber ich kann es nicht glauben, dass er nicht mehr zurückkommt. Wir haben uns schon gestritten, waren für ein paar Monate getrennt, aber jetzt ist es für immer.»

Susiele und Roger

Kein Happy End hat auch die Geschichte von Susiele Cassol und ihrem Freund Roger Dall'Agnol, wie globo.com berichtet. Sie waren seit rund vier Jahren ein Paar. Susiele studierte Ernährungswissenschaften an der Universität von Santa Maria und sah ihren Freund Roger nur an Wochenenden und in den Ferien.

Zusammen mit ihren Eltern kam Roger an diesem Wochenende auf Besuch. Susiele und Roger wollten im Kiss tanzen gehen. Die beiden fanden dort den Tod. Noch während des ganzen Sonntagmorgens versuchten Susieles Eltern ihre Tochter zu erreichen. Um den Mittag erhielten sie dann die traurige Nachricht. Rogers Leiche wurde bereits in der Nacht identifiziert.

«Ich kann nicht aufhören, daran zu denken»

Die 25-jährige Taynne Vendruscolo war im VIP-Bereich des Clubs, als das Feuer ausbrach. «Zuerst sah es so aus, als handle es sich nur um einen kleinen Brand. Aber das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Als wir beim Ausgang waren, war schon alles voll mit Rauch.» Sie hat mindestens einen Freund in den Flammen verloren, von zwei weiteren fehle noch jede Spur.

«Ich kann nicht aufhören, daran zu denken», sagt Taynne zu terra.com.br. «Es lagen so viele Menschen tot am Boden. Ich bin so traurig für all die Familien, die Angehörige verloren haben. Es ist schwierig zu verstehen, was dort passiert ist.»

Band lebt in Angst

Die Mitglieder der Band Gurizada Fandangueira, die den Brand mit ihrer Pyroshow ausgelöst hatte, haben sich am Montag zum ersten Mal zur Tragödie geäußert. «Wir haben Angst, gelyncht zu werden», verrät der Gitarrist Rodrigo Martins einem lokalen Radiosender. Er versicherte, dass niemand in der Band die Absicht hatte, ein Feuer zu legen. Auch die Band ist in Trauer: Ihr Handorgelspieler starb ebenfalls in den Flammen.

(L'essentiel Online/aeg)

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