Abtreibungsverbot – Polin stirbt, weil Klinik toten Fötus nicht abtreibt
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AbtreibungsverbotPolin stirbt, weil Klinik toten Fötus nicht abtreibt

Die Familie einer im Krankenhaus verstorbenen Polin (37) erhebt schwere Vorwürfe gegen den Staat: Der Tod von Agnieszka T. sei die Schuld des neuen strengen Abtreibungsgesetzes.

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Angehörige posteten ein Video der leidenden Agnieszka T. auf Facebook.

Angehörige posteten ein Video der leidenden Agnieszka T. auf Facebook.

Facebook/ Wioletta Papiecnik
Wenig später starb die 37-Jährige in der Klinik.

Wenig später starb die 37-Jährige in der Klinik.

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Nach dem Tod von Agnieszka T. fanden am Mittwoch in Polen Protestveranstaltungen statt.

Nach dem Tod von Agnieszka T. fanden am Mittwoch in Polen Protestveranstaltungen statt.

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Ein verstörendes Video, das Angehörige der 37 Jahre alten Agnieszka T. aus dem polnischen Częstochowa auf Facebook posteten, bewegt derzeit das Land. Es zeigt die junge Frau in ihrem Krankenhausbett liegend, wie sie offensichtlich zwischen Bewusstsein und Dämmerzustand pendelt – wenige Stunden oder Tage nach der Aufnahme war sie tot. Und dafür machen die Angehörigen den Staat, die Ärzte und hinter allem ein vor einem Jahr verschärftes Abtreibungsrecht verantwortlich.

Die mit Zwillingen schwangere Agnieszka T. war laut dem Post am 21. Dezember wegen zunehmender Unterleibsschmerzen und Erbrechen in die gynäkologische Abteilung des Wojwodscha-Krankenhauses eingeliefert worden. «Sie kam dort bei vollem Bewusstsein, in guter körperlicher und geistiger Verfassung an», heißt es. Doch dann änderte sich dies rapide: «In Telefongesprächen konnten wir miterleben, wie sich ihr Zustand von Tag zu Tag verschlechterte.» Nach Angaben einer behandelnden Ärztin starb am 23. Dezember das erste Kind ihrer Zwillinge – doch leider habe sie den totgeborenen Fötus nicht entfernen lassen dürfen, da das polnische Gesetz dies streng verbiete.

Eingriff erst Tage nach Tod des zweiten Zwillings

Stattdessen hätten die Mediziner gewartet, bis auch das zweite Kind im Mutterleib gestorben sei. Dies war am 29. des Monats der Fall, doch erst zwei weitere Tage später, an Silvester, hätten die Ärzte entschieden, die beiden toten Kinder operativ zu entfernen – Agnieszka T. habe also während acht Tagen einen toten Embryo in ihrem Körper getragen. Laut den Angaben der Familie löste dies eine schwere Blutvergiftung aus, an der Agnieszka T. schließlich am 25. Januar starb. Zuvor hätten sich ihre Vitalfunktionen zusehends verschlechtert und sie sei innerhalb weniger Tage «zum sprichwörtlichen Gemüse geworden». Trotz Verlegung in ein anderes, laut der Familie professioneller geführtes Krankenhaus, hatte sie nicht mehr gerettet werden können – die meisten Organe hatten aufgehört zu funktionieren.

Dass Agnieszka T. rechtzeitige Hilfe verweigert worden war, führt die Familie auf ein vor einem Jahr verschärftes Abreibungsrecht zurück. «Das ist der Beweis, dass die aktuelle Regierung Blut an den Händen hat», klagen die Angehörigen. «Wieder einmal ist eine schwangere, unschuldige junge Frau, Mutter und Ehefrau gestorben und hat drei Kinder zurückgelassen, die nicht mehr erleben konnten, wie ihre Mutter nach Hause kam». Die Familie fragt: «Wer ist an dieser Stelle das kriminelle Subjekt? Wer ist für diesen Verlust verantwortlich? Das Krankenhaus? Das Verfassungsgericht? Die Abgeordneten, die für das Anti-Abtreibungsgesetz in Polen gestimmt haben?»

Bereits im September ein ähnlicher Fall

Im Krankenhaus habe man versucht, den Fall zu vertuschen. Es sei behauptet worden, Agnieszka T. «habe wohl rohes Fleisch gegessen» und sich mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, dem sogenannten Rinderwahnsinn, infiziert. Den Angehörigen sei der Kontakt mit der Kranken erschwert und Einsicht in die Krankenakte verweigert worden, da keine entsprechende Vollmacht von Agniezska vorlag. «Wir sind am Boden zerstört und der Schmerz, der uns begleitet, ist unbeschreiblich», heißt es im Post auf Facebook. «Wir bitten um Hilfe. Wir haben unwiderlegbare Beweise dafür, dass ein Verbrechen begangen wurde und dass versucht wurde, die Ursache für Agnieszkas Zustand zu verschleiern und dass das Krankenhauspersonal falsche Angaben zu den Umständen des Todes der Zwillinge gemacht hat.»

Bereits im September war in Polen eine 30 Jahre alte Frau namens Izabela an den Folgen einer Sepsis gestorben, weil ihre Fruchtblase in der 22. Schwangerschaftswoche geplatzt war und man ihr trotzdem eine Abtreibung bzw. einen Kaiserschnitt verweigert hatte, berichtet der «Guardian». Eine Untersuchung ergab dann medizinische Fehler, das Krankenhaus wurde mit einer Strafe belegt. Der Fall führte zu Demonstrationen gegen das verschärfte Abtreibungsgesetz. Dieses verbietet sogar die Abtreibung schwer fehlgebildeter Föten.

(L'essentiel/trx)

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