Jagd auf Grenzgänger – Politik soll Steuerfragen für Pendler klären

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Jagd auf GrenzgängerPolitik soll Steuerfragen für Pendler klären

LUXEMBURG – Deutsche Grenzgänger, die in Deutschland aktiv sind, müssen ihre Tätigkeit auch dort besteuern. Während die Finanzämter der Großregion sich auf Millionennachzahlungen freuen können, mehren sich in Luxemburg die Appelle an die Politik, eine Lösung zu finden.

Die Finanzämter in Rheinland-Pfalz und im Saarland erhoffen sich Millionennachzahlungen.

Die Finanzämter in Rheinland-Pfalz und im Saarland erhoffen sich Millionennachzahlungen.

Arbeitet ein Arbeitnehmer aus Deutschland für eine Luxemburger Firma in seiner Heimat, muss er diese Tätigkeit in Deutschland versteuern. Jedes Seminar, jede Reparatur und jede Stunde am Steuer eines Lasters auf der deutschen Autobahn muss einzeln mit dem Finanzamt abgerechnet und in der Steuererklärung aufgelistet sein. Ist das nicht der Fall, drohen Nachzahlungen für die vergangenen Jahre. Ein lukratives Geschäft für den deutsches Fiskus und jede Menge Papierkram für deutsche Grenzgänger.

Die Praxis ist in einem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Luxemburg von 1958 vorgesehen. Ein Gesetz, das «der heutigen Arbeitswelt nicht gerecht wird», kritisiert die Gewerkschaft OGBL. «Wie soll ein LKW-Fahrer dem Finanzamt binnen drei Wochen nachvollziehbar darlegen, wo und wann er im Jahr 2008 in welchem Land gearbeitet hat?», fragt die Gewerkschaft in einer Mitteilung am Dienstag. Es müsse auf politischer Ebene schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden, fordert der OGBL.

Nachzahlungen von zwei Millionen

Mit den Appellen an die Politik ist die Gewerkschaft nicht allein: In der vergangenen Woche hatte bereits der Bankenverband ABBL die Strategie des deutschen Fiskus kritisiert. «Es kann nicht sein, dass unsere Mitarbeiter für ein Verhalten kriminalisiert werden, das fünf Jahrzehnte lang von den deutschen Behörden akzeptiert wurde», erklärte Geschäftsführer Jean-Jacques Rommes.

Die Forderung ist klar: Im Rahmen der Verhandlungen eines neuen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen beiden Ländern, die derzeit laufen, solle die Politik die Grenzgänger nicht vergessen. Allein die sechs in Trier eigens für die Verfolgung der Grenzgänger eingesetzten Steuerbeamten verfolgen derzeit etwa 600 Fälle, vor allem im Banken- und Dienstleistungsbereich, aber auch auf Baustellen und im Transportwesen. Nachzahlungen von insgesamt etwa zwei Millionen Euro seien schon geflossen.

sb/L'essentiel Online

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