Boston-Bomber – Polizei ballerte auf Unbewaffneten
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Boston-BomberPolizei ballerte auf Unbewaffneten

Beinahe wäre auch der zweite Verdächtige ums Leben gekommen: Dschochar Zarnajew war unbewaffnet, als die Polizei auf das Boot feuerte, in dem er sich verschanzte.

Zuerst schießen, dann fragen? Laut neuesten Erkenntnissen war Dschochar Zarnajew unbewaffnet, als er in Watertown nahe Boston in einem Boot versteckt unter heftigen Beschuss geriet. Das hat die «Washington Post» aus Polizeikreisen erfahren. Warum die Polizei das Feuer eröffnete, war zunächst unklar. Grundsätzlich sei man nach dem Tod Tamerlan Zarnajews bestrebt gewesen, den letzten Verdächtigen unter allen Umständen lebendig zu fassen, hieß es.

Die entscheidenden 30 Minuten vor der Verhaftung Zarnajews müssen von Chaos und extremer Anspannung geprägt gewesen sein. Ein versehentlich abgegebener Schuss könne in einer derart aufgeladenen Atmosphäre leicht zu «Contagious Fire» («ansteckendes Feuer») führen, sagte ein Beamter. Schließlich bestand berechtigter Grund zur Annahme, dass der Verdächtige Schusswaffen und Sprengstoff auf sich trug.

«Ein sehr effektives Ergebnis»

«Die Polizisten befanden sich in einer sehr gefährlichen Lage», sagte FBI-Sprecher Paul Bresson. «Sie hatten es mit einer Person zu tun, die unter Verdacht steht, den Bombenanschlag auf den Boston Marathon verübt zu haben.» Daneben habe es Hinweise auf eine Entführung, Schießerei und weitere Bomben gegeben. Dass Zarnajew unter diesen Umständen trotzdem lebend gefangen werden konnte und keine weiteren Polizisten verletzt wurden, bezeichnete er als «ein sehr effektives Ergebnis».

Dennoch werfen diese neuen Erkenntnisse Fragen auf. Die Polizei hatte unmittelbar nach der Verhaftung noch behauptet, es seien Schüsse vom Boot ausgegangen und Zarnajew habe mehrere Waffen auf sich getragen. Daneben gab es Spekulationen, er habe sich seine Halswunden bei einem Selbstmordversuch selbst zugefügt. All dies erscheint vor dem Hintergrund der neuesten Erkenntnisse wenig plausibel. Die Ermittlungen befänden sich allerdings noch am Anfang, betonte ein Polizeibeamter gegenüber der «Washington Post».

(L'essentiel Online/kri)

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