Corona-Wahn in Indien – Polizei treibt Touristen mit Waffen vor sich her

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Corona-Wahn in IndienPolizei treibt Touristen mit Waffen vor sich her

Eine Gruppe von Touristen steckt wegen des Coronavirus derzeit in Indien fest. Von der Polizei wurde sie nicht gerade zimperlich behandelt.

Die Corona-Krise traf Manuel de Luca, einen 38-jährigen Koch aus Barcelona, mitten auf einem paradiesischen Archipel im Indischen Ozean. Aufgrund von Informationen, die ihn aus seiner Heimat erreichten, entschied De Luca – zusammen mit zahlreichen weiteren Touristen – vorerst auf Neil zu bleiben, einer der kleinsten Inseln des Archipels, auf der bislang kein einziger Fall von Covid-19 registriert worden war.

Wie Vieh getrieben

Der Aufenthalt nahm jedoch ein abruptes Ende: In der Nacht auf den 18. März zwang der Besitzer der Unterkunft de Luca und die anderen Reisenden, ihre Zimmer zu verlassen. Am Empfang erwarteten sie schließlich bewaffnete Polizisten, welche die Gruppe auf eine sehr grobe Art aufforderte, die Insel mit einem Boot am frühen Morgen zu verlassen, wie de Luca der spanischen Tageszeitung El País erzählte.

Die Touristen sämtlicher Hotels auf allen Inseln seien mitgenommen und auf dem Boot versammelt worden, so der Spanier weiter. Dieses habe sie zur Hauptinsel Port Blair und von dort direkt zum Flughafen gebracht – stets in Begleitung der Polizisten: «Sie stießen uns mit Maschinenpistolen und Stöcken und riefen: ‹Corona! Corona! Como ganado apestado.» (Auf Deutsch übersetzt etwa: «Coronavirus! Coronavirus! Wie stinkendes Vieh»)

Verlassen der Unterkunft auf eigene Gefahr

Am Flughafen von Portblair ging die Drangsalierung weiter. «Während wir in der Schlange warteten, wurden wir vom Reinigungspersonal des Flughafens mit Fensterputzer besprüht», erinnert sich de Luca. Die rund 30-köpfige Gruppe entschied sich schließlich, nach Chennai zu fliegen, da es dort weniger Fälle von Covid-19 gibt als in Kalkutta.

Einen wärmeren Empfang gabs auch dort nicht: Nach der Landung wollte niemand etwas mit den Touristen zu tun haben. «Weder die, die uns geschickt hatten, hatten eine Lösung, noch die Flughafenbehörden oder irgendein Hotel wollten uns unterbringen», so de Luca. Letzten Endes habe man sich in einer «alten türkischen Botschaft» einquartiert, die ausländische Gäste aufnimmt. Auf die Straße trauen sich die Touristen kaum mehr – «nicht einmal, um das Visum zu erneuern», sagt der 38-Jährige. Einer, der den Versuch gewagte hatte, sei von Polizisten verprügelt worden.

(L'essentiel/sul)

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