Lockdown-Partys – Polizei will Bericht stark zensiert publizieren
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Lockdown-PartysPolizei will Bericht stark zensiert publizieren

Der erwartete Bericht zu Lockdown-Partys des britischen Premiers soll nur zensiert erscheinen. Damit sollen Befangenheiten bei den Ermittlungen verhindert werden.

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Scotland Yard möchte, dass der Untersuchungsbericht über die Lockdown-Partys rund um den Premier Boris Johnson nicht mit allen Einzelheiten an die Öffentlichkeit kommt – aus ermittlungstaktischen Gründen.

Scotland Yard möchte, dass der Untersuchungsbericht über die Lockdown-Partys rund um den Premier Boris Johnson nicht mit allen Einzelheiten an die Öffentlichkeit kommt – aus ermittlungstaktischen Gründen.

Reuters
Cressida Dick, Leiterin der Metropolitan Police Force (Scotland Yard), leitet di Untersuchungen.

Cressida Dick, Leiterin der Metropolitan Police Force (Scotland Yard), leitet di Untersuchungen.

Reuters
Der Regierungschef und seine Frau Carrie Johnson hätten zum Beispiel am 20. Mai 2020 mit 30 bis 40 Mitarbeitern an einer Zusammenkunft im Garten seines Amtssitzes teilgenommen.

Der Regierungschef und seine Frau Carrie Johnson hätten zum Beispiel am 20. Mai 2020 mit 30 bis 40 Mitarbeitern an einer Zusammenkunft im Garten seines Amtssitzes teilgenommen.

AFP

Ganz Großbritannien erwartet mit Spannung den Bericht der Beamtin Sue Gray, die die Lockdown-Partys rund um den Premier Boris Johnson untersucht. Nun könnte sich die Veröffentlichung noch hinziehen. Denn die Londoner Polizei teilte am Freitag mit, sie habe Gray gebeten, in ihrem Bericht möglichst wenig Bezug zu nehmen auf Ereignisse, die noch von Ermittlern untersucht würden. So solle eine Beeinträchtigung der Ermittlungen vermieden werden. Mit der Veröffentlichung des Berichts war eigentlich noch für diese Woche gerechnet worden.

Gray untersucht Vorwürfe, im Amtssitz von Premierminister Boris Johnson hätten während der Lockdowns zur Eindämmung des Coronavirus 2020 und 2021 Partys stattgefunden. Berichte über feuchtfröhliche Zusammenkünfte lösten in der Öffentlichkeit Empörung aus, weil die Bürger Kontakte vermeiden mussten und bei Verstößen Bussgelder verhängt wurden. Selbst aus den Reihen von Johnsons Konservativen wurden Forderungen nach einem Rücktritt des Regierungschefs laut.

Permanenter politischer Druck

Für den seit Wochen heftig unter Druck stehenden Premierminister Boris Johnson sind das gute Neuigkeiten. Der interne Bericht zu mehreren Events in dessen Amtssitz 10 Downing Street und anderen Regierungsgebäuden gilt als hoch brisant. Berichten zufolge sollen Regierungsmitarbeiter und auch Johnson selbst während der Pandemie mit Feiern gegen die eigenen Lockdown-Regeln verstoßen haben.

Sollte sich das bestätigen, gilt ein Misstrauensvotum gegen den Premier als wahrscheinlich. Johnson hatte bislang so gut wie alle Fragen dazu jedoch unter Verweis auf die laufenden internen Untersuchungen abgeschmettert. Nun dürfte er weiter wertvolle Zeit gewinnen, denn ein stark zensierter Bericht dürfte ihn wohl kaum gefährden.

(L'essentiel/dpa/pco)

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