Schule in Luxemburg – Portugiesische Schüler werden falsch eingeschätzt

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Schule in LuxemburgPortugiesische Schüler werden falsch eingeschätzt

LUXEMBURG - Laut einer Studie der Universität Luxemburg unterliegen auch Grundschullehrer Vorurteilen. Und diese beeinflussen das Orientierungsverfahren.

Lehrern unterlaufen bei der Beurteilung von Schülern Fehleinschätzungen - aber nicht in böser Absicht.

Lehrern unterlaufen bei der Beurteilung von Schülern Fehleinschätzungen - aber nicht in böser Absicht.

Wie aus einer Studie der Universität Luxemburg hervorgeht, unterlaufen Lehrern bei der Zuordnung von Schülern ins klassische oder technische Lyzeum mitunter gravierende Einschätzungsfehler. Und die sind offenbar auch von der Nationalität der Schüler abhängig.

Die Forscher legten Lehrern im Rahmen der Studie Dossiers und fiktive Profile von Schülern vor und baten Sie, diese für ein geeignetes Lyzeum einzuteilen. Bei den Schülern mit luxemburgischer Nationalität erzielten die Pädagogen eine Trefferquote von 90 Prozent, bei portugiesischen Schülern waren hingegen nur 67 Prozent der Orientierungsentscheidungen zutreffend. Die schulischen Fertigkeiten dieser Schüler wurden häufig unter- oder überschätzt.

Entscheidungen nicht aus böser Absicht

Das Ergebnis der Studie kommt für das Bildungsministerium nicht überraschend. «Andere Studien haben bereits gezeigt, dass der sozioökonomische und migrationsbedingte Hintergrund eines Schülers die Orientierungsentscheidung beeinflussen kann», heißt es auf Nachfrage im Ministerium. Die Experten des Bildungsressorts betonen jedoch, dass Lehrer ihre Entscheidungen nach bestem Gewissen und nicht aus bösen Absichten treffen – diese Ansicht teilen auch die Forscher der Uni.

Die Studien wurden im Rahmen der Reform des Orientierungsverfahrens durchgeführt, die bei der nächsten Rentrée in Kraft treten soll. Die Eltern werden stärker miteinbezogen, außerdem soll statt eines Ausschusses ein einziger Lehrer entscheiden, ob ein Schüler ins klassische oder technische Lyzeum wechseln sollte. Wissenschaftliche Arbeiten hätten nämlich gezeigt, dass eine Entscheidung eines Gremiums dazu führen kann, dass die Verantwortung innerhalb der Gruppe auf andere abgeschoben wird.

(Séverine Goffin/L'essentiel)

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