Filmfestival Cannes: «Präsenz luxemburgischer Produktionen ist eine große Anerkennung»
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Filmfestival Cannes«Präsenz luxemburgischer Produktionen ist eine große Anerkennung»

LUXEMBURG/CANNES – Beim traditionellen «Luxemburger Tag» an der Croisette hat sich Guy Daleiden, Direktor des Film Fund Luxembourg Zeit für ein paar Fragen genommen. Er erzählt, wie es um die Luxemburger Filmbranche steht.

von
Thibaut Demeyer

L'essentiel: Inwiefern ist es für den Film Fund wichtig, dass Koproduktionen in Cannes im Wettbewerb stehen?

Guy Daleiden, Generaldirektor des Film Fund Luxembourg: Wir erhalten immerhin eine staatliche, finanzielle Unterstützung, um in die Entwicklung der Filmproduktionen zu investieren. Wenn man sieht, dass der Sektor international anerkannte Filme produziert, ist das eine gute Anerkennung – nicht nur für die Arbeit, die der Film Fund geleistet hat, sondern vor allem für die Luxemburger Fachkräfte im Filmbereich.

Wenn die Filme auch noch für Cannes ausgewählt werden, dann ist das eine Anerkennung für die Arbeit des Film Funds und der Schauspieler. Der Film Fund dient ausschließlich den Akteuren im Filmbereich – unter anderem Regisseuren, Produzenten, Schauspielern und Technikern. Jede Selektion bei einem Filmfestival ist der Beweis dafür, dass wir unsere Arbeit gut gemacht haben. Die staatliche Unterstützung dient nicht dazu, das Geld zwischen den verschiedenen Akteuren zu verteilen, sondern um in die Entwicklung der Branche zu investieren.

Der Filmbranche geht es trotz der Pandemie einigermaßen gut…

Ich bin auch erstaunt. Vor zwei Jahren litt die luxemburgische Filmindustrie genauso wie andere Branchen und Ländern auch unter den Folgen der Pandemie. Es gab Verzögerungen bei der Ausstrahlung und der Produktion. Die Finanzierung oder das Finanzierungsversprechen zahlreicher Filmen war bereits gesichert. Doch diese konnten nicht gedreht werden – nicht nur wegen Luxemburg, sondern auch weil wir für alle Filme im Rahmen einer internationalen Koproduktion mit anderen Produktionsfirmen arbeiten. Es war einfach schwierig, die Ressourcen aller Länder zu kombinieren. Irland war zum Beispiel monatelang geschlossen. Daher konnte mit Irland überhaupt keine Koproduktion entstehen.

Es wurde zunächst versucht, sich auf Koproduktionen mit unseren Nachbarländern – Frankreich, Belgien und Deutschland – zu konzentrieren. Wie in anderen Ländern auch wurden luxemburgische Produktionen auf Eis gelegt. Seit einigen Monaten geht es aber langsam wieder aufwärts. Im Moment werden in Luxemburg insgesamt drei Spielfilme gedreht – zwei davon mit luxemburgischem Regisseur. Es besteht nach wie vor Aufholbedarf und ich hoffe, dass in den kommenden Monaten eine Verbesserung festgestellt werden kann. Wir hatten Glück: In Luxemburg wurden die Kinos früher geöffnet als in den Nachbarländern.

Es ist kein höheres Budget für den Film Fund Luxembourg vorgesehen. Wie soll es weitergehen?

Als Direktor des Film Fund Luxembourg kann ich nicht einfach nach mehr Geld verlangen. Die Nachfrage nach einer Filmförderung ist derzeit höher als in der Vergangenheit, aber ich muss realistisch sein und das berücksichtigen, was der Minister sagt. Die finanziellen Mittel sind aufgrund der Pandemie und des Kriegs in der Ukraine nicht vorhanden, um die luxemburgische Wirtschaft anzukurbeln. Dass die Möglichkeit nicht besteht, das Budget zu erhöhen, ist eine Realität, die wir einfach akzeptieren müssen. Natürlich möchten wir alle mehr Geld bekommen. Wir müssen halt selber sehen, wie wir mit dem zur Verfügung stehenden Budget klarkommen. Mit mehr Budget wären zwar mehr Filme möglich, aber wir könnten immer noch nicht die Arbeitskräfte bezahlen, die wir dafür bräuchten.

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