Romain Schmit – ProActif suspendiert Generaldirektor

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Romain SchmitProActif suspendiert Generaldirektor

LUXEMBURG – ProActif-Generaldirektor Romain Schmit ist suspendiert worden. Seine klaren Worte zu den Finanzproblemen der Initiative waren seinem Chef wohl zu klar.

Nach Informationen des «Tageblatts» ist ProActif-Generaldirektor Romain Schmit am Freitag von seinem Arbeitgeber suspendiert worden. Er darf bis auf weiteres die Räumlichkeiten von ProActif nicht mehr betreten.

Ausschlaggebend dürfte die Äußerung von Schmit gewesen sein, die Ausgaben der Beschäftigungsinitiative seien künstlich «aufgebläht» gewesen. Dadurch erhielt der Verein staatliche Gelder in Höhe von 2,5 Millionen Euro, die ihm eigentlich nicht zugestanden hätten. Damit widersprach Schmit dem ProActif-Präsidenten und Vorsitzenden der Gewerkschaft LCGB, Robert Weber, der noch am Donnerstag betont hatte, dass mit den Konten alles in Ordnung sei und es sich um «Interpretationsprobleme» handele.

Falsche Rechnungen

Dass sich Schmit wohl nach einem anderen Job umsehen muss, deutete sich bereits am Freitag an. Eine für den Nachmittag angekündigte Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt. Romain Schmit leitete die Beschäftigungsinitiative seit Mitte 2010. Erste Schritte zur Sanierung von ProActif wurden unter ihm eingeleitet. Denn die Probleme von ProActif sind nicht neu. Bereits bei früher durchgeführten Überprüfungen waren Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.

Unternehmensprüfer kritisierten nun unlautere Praktiken. So setzte ProActif Leistungen in Rechnung, die vom Staat eigentlich nicht erstattet werden. So wurden Reinigungs- und Wartungsarbeiten am Informatiksystem von eigenem Personal durchgeführt, jedoch als Fremdleistung verrechnet. Oder aber es wurden Rückstellungen für mögliche Entschädigungen für entlassene Mitarbeiter als rückstattungsfähige Ausgaben ausgewiesen. Das habe zu einem «ungerechtfertigen Aufblähen» der Ausgaben geführt, so die Unternehmensprüfer. Die Revisoren sprechen von Verstößen gegen das Buchhaltungsrecht.

Arbeitsminister will Klarheit über Verwendung von Steuergeldern

Am Freitag waren die Finanzprobleme von ProActif auf Thema im Finanz- und Budgetkontrollausschuss des Parlaments sowie in der Beschäftigungskommission. «Die Verwaltung war alles andere als vorbildlich», sagte Arbeitsminister Nicolas Schmit. «Man muss die Initiativen auf eine solide Basis stellen und die Budgets so transparent wie möglich gestalten».

L'essentiel Online/tageblatt.lu

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