«Gelbwesten» in Paris – Profi-Boxer verprügelt Polizisten

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«Gelbwesten» in ParisProfi-Boxer verprügelt Polizisten

Ein Profiboxer mischte am Samstag bei den Protesten der «Gelbwesten» in Paris mit. Videos zeigen den Mann, wie er Polizisten mit Faustschlägen bearbeitet.

Bei den «Gelbwesten»-Protesten in Paris wird ein Polizist durch schwere Schläge auf einer Seine-Brücke verletzt. Die Behörden leiteten Ermittlungen zu diesem Fall ein – und machten auf Twitter deutlich, dass sie den Angreifer identifiziert haben.

«Monsieur, Sie, der einen Kollegen zu Boden schlug, sind identifiziert. Für einen Boxer scheinen Sie sich offensichtlich nicht sehr an Regeln zu halten. Wir werden Ihnen jene des Strafgesetzbuches beibringen», twitterte die Polizei und stellte ein Foto eines Boxers im Ring dazu.

Die Angriffe des schwarz gekleideten, unverhüllten Mannes gegen einen Polizisten auf der Seine-Brücke sind schwere Kost: Ein Video zeigt den Hünen, wie er einen Polizisten mit harten Fauschlägen zu Boden drischt und dann gegen den am Boden liegenden Mann tritt. Der Polizist trug schwere Quetschungen an Brust und Beinen davon.

Ein anderes Video zeigt den gleichen Mann, wie er auf einen weiteren Polizisten einschlägt. Dieser kann sich mehr recht als schlecht mit einem Schild schützen. Die harten Fausschläge, die Beinarbeit, überhaupt die ganze Körpersprache dieses unbändigen Kraftpaketes – alles weist daraufhin, dass hier ein Profiboxer außer Kontrolle geraten ist.

Französischer Champion im Halbschwergewicht

Französische Social-Media-User haben den Mann schnell als den 38-jährigen Christophe Dettinger identifiziert. 2007 und 2008 war er französischer Champion in der Klasse der Halbschwergewichte, was ihm laut Wikipedia den Spitznamen «Massy Gypsy» (etwa: massiger Zigeuner) einbrachte.

Französische Medien zufolge wurde der Mann mittlerweile zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Videoaufnahmen des Prügel-Boxers werden in Frankreich kontrovers diskutiert. Der linke Abgeordnete Jean-Luc Mélenchon sprach von einem Mann-gegen-Mann-Kampf und kritisierte die Polizei. Sein Tweet erregte den Ärger von Innenminister Christophe Castaner und von Publizist Bernard-Henri Lévy, die Solidarität mit der Polizei fordern.

35 Verdächtige in Paris in Polizeigewahrsam

Nach den «Gelbwesten»-Protesten von diesem Wochenende sitzen in Paris mittlerweile 35 Verdächtige in Polizeigewahrsam. Unter ihnen befinden sich acht Minderjährige, wie die Staatsanwaltschaft in der französischen Hauptstadt am Sonntag mitteilte. Zwei Verdächtige erhielten demnach eine Verwarnung durch die Polizei, eine weitere Verdächtige wurde von der Staatsanwaltschaft verwarnt.

Insgesamt beteiligten sich etwa 3500 Menschen an den Kundgebungen in Paris. Landesweit waren am Samstag rund 50.000 Anhänger der «Gelbwesten» auf die Straße gegangen. Neben Paris kam es dabei auch in anderen Städten zu Krawallen.

Die «Gelbwesten»-Bewegung setzt der Regierung von Staatschef Emmanuel Macron seit November zu. Bei ihren Kundgebungen demonstriert sie gegen Steuer- und Preiserhöhungen sowie für eine verbesserte Kaufkraft der Franzosen. Bei den Protesten gab es mehrfach gewaltsame Zusammenstöße.

(L'essentiel/gux)

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