Angriff auf jüdische Schule – Profi-Killer mit Nazi-Gesinnung am Werk?

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Angriff auf jüdische SchuleProfi-Killer mit Nazi-Gesinnung am Werk?

Bei den drei Anschlägen auf eine jüdische Schule sowie auf Soldaten im Südwesten Frankreichs war dieselbe Tatwaffe im Einsatz. Das Motiv des Täters gibt Rätsel auf.

Bei allen drei Attentaten wurde nach Informationen des französischen Fernsehens dieselbe Waffe genutzt, berichtete der TV-Nachrichtensender BFM am Montag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Die am Tatort gefundenen Patronenhülsen entsprächen dem Kaliber 11,43. Dies deutet auf einen Militär-Revolver hin, wie ihn die US-Armee im Zweiten Weltkrieg einsetzte.

Nach weiteren Angaben der Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen benutzte der Täter für die Flucht zudem den gleichen Motorroller. Dieser soll kurz vor dem ersten Anschlag in Toulouse gestohlen worden sei.

Profi-Killer

Das bisher bekannte Profil des Mannes entspricht einem Profi-Killer, der methodisch plant, kaum Spuren hinterlässt und auf offener Straße, am helllichten Tag zuschlägt. Er wisse, wie man Waffen bedient und sie benutzt, hatte eine SonntagsZeitung einen der Ermittler zitiert: Der Mann schieße, um zu töten - meist mit einem Schuss.

Die Spekulationen reichten daher schnell von einem traumatisierten Afghanistan-Soldaten über einen rassistischen Hintergrund bis hin zu einem verrückten Waffennarren, der mit der Armee eine offene Rechnung begleichen wolle.

Sarkozy warnt vor Spekulationen

Selbst der 50. Jahrestag des Evian-Abkommens, welches das Ende des blutigen französischen Kolonialkrieges in Algerien einleitete, wurde als mögliches Motiv in Erwägung gezogen.

Staatschef Nicolas Sarkozy warnte jedoch vor derartigen Spekulationen. Er äußerte sich geschockt und ordnete für Dienstag eine Schweigeminute in den Schulen des Landes an. «Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kinder in einer jüdische Schule massakriert, das ist eine Tragödie», sagte er im französischen Fernsehen, bevor er am Tatort erklärte: «Der Hass, die Grausamkeit darf nicht gewinnen.»

Wahlkampf ausgesetzt

Auch sein sozialistischer Herausforderer im Präsidentschaftswahlkampf, François Hollande, begab sich nach Toulouse. Der Wahlkampf sei vorübergehend ausgesetzt, hatte der Sprecher seiner Partei zuvor erklärt.

Am Montag hatte ein Unbekannter vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Lehrer erschossen. Schon am 11. und 15. März hatte es zwei Anschläge auf Soldaten in Toulouse und in der etwa 50 Kilometer entfernten Stadt Montauban gegeben, bei denen der Täter nach den Schüssen ebenfalls auf einem Motorroller geflohen war. Die Hintergründe der Taten sind noch unklar.

L'essentiel Online/Reuters

Juncker «bestürzt»

Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker hat in einem Schreiben an seien seinen französischen Amtskollegen, seiner «großen Bestürzung» über die Vorfälle bei Toulouse. Juncker sprach den Familien sein Beileid aus.

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