Amsterdam – Prostituierte müssen zum Sprachtest

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AmsterdamProstituierte müssen zum Sprachtest

Amsterdam verschärft die Regeln für Prostitution, denn wegen rapide gestiegener Nachfrage blüht der Menschenhandel. Ein Fingerzeig für andere Legalisierungspläne?

Bordelle in Amsterdam müssen künftig zwischen vier und neun Uhr morgens schließen.

Bordelle in Amsterdam müssen künftig zwischen vier und neun Uhr morgens schließen.

AFP

AAls die Niederlande im Jahr 2000 Prostitution legalisierte, hofften die Politiker, damit dem Menschenhandel einen Riegel vorzuschieben. «Es geht nicht mehr um kleine Fische, sondern um schwerkriminelle Organisationen, die Menschen schmuggeln, mit Drogen handeln, Morde und andere Verbrechen begehen», sagte Job Cohen noch vor fünf Jahren der «New York Times». Der Politiker war von 2001 bis 2010 Bürgermeister von Amsterdam, der Sex-Metropole des Landes.

Nun steht fest, dass dieser Plan nicht aufgegangen ist. In Amsterdam werden mehr Frauen denn je zur Prostitution gezwungen: Nach der Legalisierung haben zwar mehr Frauen freiwillig Liebesdienste angeboten, doch die Nachfrage ist noch stärker angestiegen. Dieser Effekt wurde in einer internationalen Studie im vergangenen Jahr empirisch belegt. «Wir haben eingesehen, dass es schlimmer geworden ist», konstatierte die christdemokratische Stadträtin Marijke Shahsavai-Jansen im Gespräch mit «The Atlantic». «Es gibt immer noch Opfer des Menschenhandels. Es ist, als würde der Missbrauch den Deckmantel des Legalen tragen.»

Lehren aus der Praxis

Während das Thema auf nationaler Ebene noch diskutiert wird, hat Amsterdam Nägel mit Köpfen und den «Bordsteinschwalben» neue Auflagen gemacht. Das Mindestalter für die Branche wurde von 18 auf 21 Jahre angehoben, weil jüngere Frauen einfacher Opfer von Männern werden, die sie mit falschen Versprechen ins Ausland locken. Die Dirnen müssen künftig auch einen Sprachtest ablegen. Die Idee dahinter: Nur wer des Niederländischen mächtig ist, zeigt auch Straftaten bei Polizei und Sozialbehörden an.

Zudem verkürzen sich die Arbeitszeiten der Damen: Die Etablissements müssen zwischen vier und neun Uhr morgens schließen. Diese Maßnahme dient der Sicherheit der Prostituierten: Auf ausgestorbenen Rotlicht-Meilen haben Sex-Gewalttäter scheinbar leichtes Spiel. Zu guter Letzt müssen die Bordellbesitzer den Behörden einen Businessplan präsentieren, in dem sie aufzeigen, wie sie die Sicherheit und Gesundheit der Freudenmädchen fördern wollen.

(L'essentiel Online/phi)

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