Aus Frankreich: Prostitution minderjähriger Mädchen in Luxemburg

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Aus FrankreichProstitution minderjähriger Mädchen in Luxemburg

LUXEMBURG – Minderjährige Mädchen aus Heimen im Département Moselle überqueren die luxemburgische Grenze, um sexuelle Dienstleistungen an Kunden im Großherzogtum zu verkaufen. Die Behörden in Frankreich sind besorgt, während in Luxemburg noch niemand davon weiß.

von
Thomas Holzer

Die Netzwerke der auf Jugendschutz spezialisierten Erzieher im benachbarten Département Moselle sind besorgt über die Neigung junger Mädchen aus Heimen. Sie befürchten, dass sie in die Fänge von Prostitutionsnetzen geraten. Den meisten Fachleuten ist dieses Phänomen bekannt und sie fühlen sich angesichts der Situation hilflos.

Nach unseren Informationen nehmen Zuhälter Kontakt zu den Mädchen auf und versprechen ihnen eine finanzielle Gegenleistung oder Sachleistungen (Alkohol, Tabak, Drogen) für sexuelle Dienstleistungen, die sie an sich selbst oder an Unbekannte erbringen. Die minderjährigen Mädchen würden sich auf französischem Staatsgebiet, aber auch in Luxemburg aufhalten, wo Kunden über soziale Netzwerke vermittelt würden. «Alles läuft über Snapchat. Die Zuhälter warten vor dem Heim auf sie, sie laufen weg und wir können nichts tun», berichtet ein Erzieher gegenüber L'essentiel.

Derzeit werden interne Studien aus dem sozialpädagogischen Bereich vorbereitet, in denen das Großherzogtum erwähnt wird, um das Ausmaß des Phänomens, aber auch dessen Umfang und wiederholtes Auftreten zu charakterisieren. Die Polizei und die Justiz hierzulande wurden auch eingeschaltet, halten sich jedoch über die laufenden Ermittlungen bedeckt. Darüber hinaus wurde bislang keine Zusammenarbeit mit den luxemburgischen Behörden beantragt. Auf Anfrage von L'essentiel erklärte die Staatsanwaltschaft, dass sie «keine Kenntnis von derartigen Vorfällen hat. Folglich wurden keine diesbezüglichen Ermittlungen durchgeführt».

Prostitution über soziale Netzwerke

Die Polizei sieht das genauso. Die Identifizierung dieser Netzwerke bleibt besonders komplex, da die kriminellen Kreise neue Praktiken anwenden und nicht mehr zögern, Plattformen wie Airbnb zu nutzen, um ihre Aktivitäten aufzubauen. Die Prostitution minderjähriger Mädchen, die vor allem von Frankreich aus organisiert wird, ist weniger auffällig und spielt sich nicht an denen Orten ab, wo Sexarbeiterinnen in Luxemburg üblicherweise arbeiten.

Üblicherweise ist das Großherzogtum kaum von der sexuellen Ausbeutung von Mädchen unter 18 Jahren betroffen. «Wenn es sie gibt, handelt es sich eher um Einzelfälle als um organisierte Netzwerke», erklärt Thomas Kauffmann, ehemaliger Direktor von ECPAT Luxemburg, einer luxemburgischen Vereinigung, die gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern kämpft.

Laut der von Verbänden durchgeführten Überwachung wurde in diesem Bereich nichts gemeldet: «Die Prostituierten selbst zögern nicht, die Anwesenheit minderjähriger Mädchen zu melden», präzisiert Kauffmann, der kürzlich zum Leiter von Ärzte ohne Grenzen Luxemburg ernannt wurde. Er sei sich jedoch bewusst, dass ein Teil der Prostitution traditionellen Beobachtungsnetzen entgehen kann.

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