Todesfall Yasmine Grisius – Prozess um tote Polizistin - «Es tut mir furchtbar leid»

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Todesfall Yasmine GrisiusProzess um tote Polizistin - «Es tut mir furchtbar leid»

LUXEMBURG – Am Mittwoch begann der zweitägige Prozess gegen den 36-jährigen Pascal T., der am 5. Juni eine Polizistin angefahren und tödlich verletzt haben soll.

20150611: Garnich / LUXEMBOURG: Funérailles de la fonctionnaire de police Yasmine Grisius jeudi après-midi 11 juin 2015 au cimetière de GARNICH en présence du Ministre Etienne Schneider,  de la secrétaire-d'Etat Francine Closener, de représentants du parquet et du corps des officiers, sous-officiers et inspecteurs de la police grand-ducale. La policière a été tuée lors d'un contrôle de la route le 5 juin 2015 happée par un automobiliste conduisant sous l'influence de l'alcool © EDITPRESS/Jean-Claude Ernst

20150611: Garnich / LUXEMBOURG: Funérailles de la fonctionnaire de police Yasmine Grisius jeudi après-midi 11 juin 2015 au cimetière de GARNICH en présence du Ministre Etienne Schneider, de la secrétaire-d'Etat Francine Closener, de représentants du parquet et du corps des officiers, sous-officiers et inspecteurs de la police grand-ducale. La policière a été tuée lors d'un contrôle de la route le 5 juin 2015 happée par un automobiliste conduisant sous l'influence de l'alcool © EDITPRESS/Jean-Claude Ernst

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Gut sechs Monate sind seit der fatalen Nacht des 5. Juni vergangen, als die 39-jährige Polizistin Yasmine Grisius während einer Routine-Verkehrskontrolle in Dippach zu Tode gefahren wurde. Am Mittwoch musste sich der mutmaßliche Unfallverursacher, der 36-jährige Pascal T. aus Schuweiler, erstmals vor Gericht verantworten. Der Staatsanwalt wirft ihm fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge vor, dem Angeklagten drohen fünf Jahre Haft.

Als Richterin Sylvie Conter ihre erste Frage über seinen Wohnort vor Schrassig stellt, platzt es aus dem Angeklagten heraus: «Es tut mir alles furchtbar leid.» T. sitzt seit dem Unfall in Haft, bis dahin wohnte er noch bei seinen Eltern. Mit zittriger Stimme schildert er seinen bisherigen Lebenslauf. Seit 2004 befand er sich wegen Depressionen und Panikattacken in psychiatrischer Behandlung. «Ich wurde meistens am frühen Morgen wach und habe den ganzen Tag im Bett gelegen.» Die Richterin wendet ein: «Da wären Sie besser auf andere Ideen gekommen.» Laut dem Psychiater leidet T. an keiner besonderen psychischen Krankheit, ist daher voll schuldfähig.

Bier, Whiskey, Cannabis

T. war der Polizei schon vor dem 5. Juni bekannt. 2010 baut er unter Medikamenteneinfluss einen schweren Unfall. Mitte 2014 erhält er wegen 2,16 Promille am Steuer ein 21-monatiges Fahrverbot auf Bewährung.

In der Nacht auf den 5. Juni trinkt der 36-Jährige mehrere Gläser Bier, danach noch einige Whiskeys. Mit etwa 1,6 Promille Alkohol im Blut setzt er sich hinters Steuer. In seinem Blut wird später auch der Cannabis-Wirkstoff THC nachgewiesen. «Er hat regelmäßig Cannabis konsumiert, zwei bis drei Mal die Woche», erklärt ein Mediziner vor Gericht. Hinzu kommen Antidepressiva, die er schon länger einnimmt – ein gefährlicher Cocktail.

«Er war voll, da darf man sich nicht mehr ins Auto setzen», herrscht die Richterin später den Vater des Angeklagten, der als Zeuge aussagt, an. Der Vater hatte die Depressionen seines Sohnes als Auslöser des Unfalls angeführt. «Ihr Sohn hatte mehr als eine Chance, um es besser zu machen. Er hat sie nicht genutzt», sagte Conter.

In Schlangenlinien steuert T. gegen 1.40 Uhr auf die Verkehrskontrolle der Polizei zu. Die Beamten nehmen ihn ins Visier ihrer Radarkontrolle. Sie messen 61 km/h, elf Stundenkilometer schneller als die erlaubten 50 km/h. T. sieht die Haltezeichen der Polizisten, er will ausweichen und verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug. Yasmine Grisius steht am Kofferraum eines anderen Autos, um die Papiere der Fahrerin zu kontrollieren.

«Ihre Beine wurden regelrecht zermalmt»

Denn einen Moment später kracht der Wagen von T. mit voller Wucht gegen das Heck des anderen Pkw. Die Polizistin wird zwischen den beiden Autos eingeklemmt. «Ihre Beine wurden regelrecht zermalmt», schildert ein medizinischer Gutachter vor Gericht. Die Beamtin erleidet durch den Aufprall gegen die Windschutzscheibe außerdem schwerste Kopfverletzungen. «Es war alles voller Blut», sagt ein Polizist im Zeugenstand. Die Notärzte versuchen alles. Aber die Polizistin hat keine Chance. Um 3.10 Uhr erleidet Grisius im Krankenhaus einen Herzstillstand. Eine Stunde später wird sie für tot erklärt.

Verteidiger Franz Schiltz stellt infrage, ob die Sicherheit der Beamten bei der Kontrolle gewährleistet wurde: «Warum hat Yasmine Grisius die Papierkontrolle nicht weiter rechts, auf dem Gehsteig, durchgeführt?» Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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