Schmutzige Machenschaften – Prozessbeginn für Doping-Arzt Fuentes

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Schmutzige MachenschaftenProzessbeginn für Doping-Arzt Fuentes

Seit Montag steht der berüchtigte Dopingarzt Eufemiano Fuentes in Madrid vor Gericht. Seine Vernehmung wurde allerdings auf Dienstag verschoben.

Die Guardia Civil trug rund 7000 Seiten Material über das Betrugsnetzwerk von Fuentes zusammen. Im Zentrum stand dabei die minutiös geplante Logistik von Bluttranfusionen.

Die Guardia Civil trug rund 7000 Seiten Material über das Betrugsnetzwerk von Fuentes zusammen. Im Zentrum stand dabei die minutiös geplante Logistik von Bluttranfusionen.

DPA/Guardia Civil

Doping und Radsport sind zurzeit nicht zu trennen. In diesem Zusammenhang steht ein wichtiger Termin vor der Tür. Nachdem Lance Armstrong bei Oprah Winfrey in einem Interview eine Beichte ablegt hat, steht nun mit dem Prozess gegen den berüchtigten Arzt Eufemiano Fuentes das nächste Großereignis auf dem Programm. Es ist – im Gegensatz zu den Erkenntnissen aus dem Armstrong-Interview – mit echten Erkenntnissen zu rechnen.

Die Untersuchung gegen Fuentes und seine Mitwisser gehört zu den größten Dopingermittlungen. Im September 2005 wurde Roberto Heras bei der Spanien-Rundfahrt, die er gewann, positiv auf EPO getestet. Dieser Vorfall gilt als zentraler Ausgangspunkt der Ermittlungen der Guardia Civil. Im Mai 2006 waren bei einer Razzia unter anderem eine große Menge an Blutbeuteln sowie Dopingmittel gefunden worden. Durch ihre Verwicklung in die Affäre wurden zahlreiche Fahrer von der Tour de France 2006 ausgeschlossen.

Fränk Schleck im Visier

Auch der Luxemburger Radprofi Fränk Schleck, der 2006 für das Team CSC- SaxoBank fuhr, war in die Affäre verwickelt worden: Gegen ihn war wegen einer Überweisung von knapp 7000 Euro an Fuentes vom März 2006 ermittelt worden. Schleck hatte die Zahlung im Laufe der Anhörungen zugegeben, Doping aber stets bestritten. Die Luxemburger Antidopingbehörde ALAD sah es als erwiesen an, dass die Überweisung auf ein Schweizer Konto des Arztes lediglich für eine «Trainings-Beratung» gewesen sei und stellte das Untersuchungsverfahren ein.

Die Guardia Civil trug rund 7000 Seiten Material über das Betrugsnetzwerk von Fuentes zusammen. Im Zentrum stand dabei die minutiös geplante Logistik von Bluttranfusionen. Als Lager der Blutbeutel diente ihm die Analyseklinik in Madrid. Kunden von Fuentes war vor allem die Konkurrenz von Armstrong, während dieser auf die Dienste des Italieners Michele Ferrari zurückgriff.

Nicht nur Radsportler als Kunden

Fuentes soll in in seinen aktivsten Zeiten rund 200 Leistungssportler parallel versorgt haben. Neben den 58 namentlich bekannten Kunden im Radsport - unter ihnen die ehemaligen Spitzenfahrer Jan Ullrich, Ivan Basso und Joseba Beloki - waren wohl auch Sportler aus anderen Disziplinen darunter. Fuentes selbst gab im Juni 2006 in einem Interview zu: «Ich habe auch mit Fußballern, Tennisspielern und Leichtathleten gearbeitet. Es sind gar nicht alle Namen bekannt geworden.» Im belastenden Material der Staatsanwaltschaft tauchen allerdings trotzdem nur Radsportler auf. Die Ermittler sollen andere Sportler nicht zweifelsfrei identifiziert haben.

Fuentes soll am Dienstag vernommen werden. Als Zeuge für den Prozess vorgeladen ist auch Alberto Contador. Ihm wird in der Kundenliste von Fuentes das Kürzel AC zugeordnet. Er selbst bestreitet aber nach wie vor eine Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Arzt. Auf dieser Linie dürfte der Spanier auch weiterfahren.

Ein Urteil in erster Instanz – neben Fuentes sind auch dessen Schwester Yolanda sowie die früheren Rennstallmanager Manolo Saiz und José Labarta angeklagt – wird für April oder Mai erwartet. Um Gefängnisstrafen dürften die Betroffenen wohl herumkommen. Ein Berufsverbot dürfte allerdings Tatsache werden. Den Beschuldigten wird die Gesundheitsgefährdung der Fahrer vorgeworfen, da es zur Tatzeit noch kein Dopinggesetz in Spanien gab.

Verfahren gegen Batres eingestellt

Bereits einige Tage vor Beginn des Prozesses gegen Fuentes wurde das Verfahren gegen den Mitangeklagten José Luis Merino Batres vorläufig eingestellt. Die zuständige Richterin entschied sich zu diesem Schritt, da der 72-jährige Arzt laut eines medizinischen Gutachtens an Alzheimer leidet.

(L'essentiel Online/dpa/fbu/si/mth)

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