Nachbar erschossen – Prozessbeginn nach Rasenmäher-Krieg

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Nachbar erschossenProzessbeginn nach Rasenmäher-Krieg

TRIER - Im Streit um lärmende Rasenmäher soll ein 61-Jähriger einen Rentner von gegenüber erschossen haben. Jetzt kommt er vor Gericht.

Im Streit um Rasenmäherlärm soll er in einer Kleingartenanlage in Trier seinen Nachbarn erschossen haben: Nun muss sich der 61-Jährige von Donnerstag (4. September) an wegen Totschlags vor dem Landgericht Trier verantworten. Laut Anklage hatte der Mann im März seinen Nachbarn mit mehreren laufenden Rasenmähern gestört. Daraufhin sei der 68-Jährige mit einer Holzlatte bewaffnet zum Grundstück des 61-Jährigen gegangen und habe auf die Rasenmäher eingeschlagen.

Als er mindestens einen der Mäher beschädigt hatte, habe der Angeklagte aus seiner Laube ein Kleinkalibergewehr geholt - und dem Nachbarn in die rechte Brust geschossen - so die Anklage. Der 68-Jährige starb noch in der Anlage, die Schusswaffe hatte der Angeklagte wohl illegal in seinem Besitz.

Seit Jahren im Clinch

Der Streit um lärmende Rasenmäher war nicht der erste zwischen den Männern. Die beiden Nachbarn lagen seit Jahren im Clinch. «Man war so verbittert, dass sich daraus eine Eigendynamik entwickelte», sagte der Anwalt des 61-Jährigen, Andreas Ammer. Oft sei es um gegenseitige Vorwürfe der Lärmbelästigung gegangen: Mal war es ein lautes Radio, mal der Rasenmäher, mal die Kreissäge. Und man sei auch schon mal mit Steinen oder einer Mistgabel auf den anderen losgegangen, sagte Ammer.

Die Streitigkeiten der beiden über den Gartenzaun waren bereits Gegenstand mehrerer Straf- und Zivilverfahren - es habe auch Gewaltschutzverfügungen gegeben, berichtete der Anwalt. Aber offensichtlich hätten die rechtlichen Mittel nicht ausgereicht, um die Streithähne zu stoppen. Für beide Grundstücksbesitzer habe ihr Schrebergarten eine besondere Bedeutung gehabt - sie hätten sich dort sehr oft aufgehalten.

Angeklagter schweigt

«Das hier war sein Leben», sagte die Witwe des 68-Jährigen, Monika Hölzmer, am Grundstück - auf dem ein gepflegtes Holzhaus auf einer großen Wiese steht. Am Zaun, nur wenige Meter vom Tatort entfernt, erinnert ein hölzernes Kreuz mit Foto an den Toten. «Ich hoffe, dass der Täter eine gerechte Strafe bekommt», sagt die 64-Jährige, die als Nebenklägerin im Prozess auftreten wird.

Der Angeklagte hat nach Angaben seines Anwaltes bislang von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Das Geschehene tue ihm aber sehr leid, er habe es nicht gewollt, sagte Ammer. Die Anklage geht davon aus, dass der 61-Jährige mit dem Schuss den Tod seines Nachbarn zumindest billigend in Kauf nahm. Hinweise darauf, dass er aus Notwehr abfeuerte, gab es keine. Der Prozess ist bis zum 7. Oktober terminiert.

(L'essentiel/dpa)

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