Vom Franzosen zum Russen? – Putin bietet Depardieu Pass an

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Vom Franzosen zum Russen?Putin bietet Depardieu Pass an

Zum ersten Mal seit 2008 äußert sich Wladimir Putin vor der Presse. Mit Themen von A wie Adoption russischer Kinder bis G wie Gérard Depardieu.

Sollte der französsiche Schauspieler Depardieu einen russischen Pass haben wollen, «ist diese Frage bereits positiv entschieden», sagte der russische Präsident an seiner ersten großen Pressekonferenz seit vier Jahren.

Sollte der französsiche Schauspieler Depardieu einen russischen Pass haben wollen, «ist diese Frage bereits positiv entschieden», sagte der russische Präsident an seiner ersten großen Pressekonferenz seit vier Jahren.

Bei seiner ersten großen Pressekonferenz für nationale und internationale Medien seit 2008 sprach der russische Präsident Wladimir Putin über allerhand Themen.

Vom Adoptionsverbot russischer Kinder durch US-Bürger über die Rechtfertigung, Russland sei kein autoritärer Staat, bis hin zu einem Angebot an den französischen Schauspieler Gérard Depardieu. «Falls Gérard wirklich eine russische Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass will, so ist diese Frage bereits positiv entschieden», sagte Putin vor versammelter Journalistenschar in Moskau.

Enge freundschaftliche Beziehung

Depardieu liebe sein Land und dessen Kultur sehr, «er lebt sie», sagte Putin. Doch der Schauspieler mache gerade harte Zeiten durch. Putin betonte, er habe enge freundschaftliche Beziehungen mit dem Schauspieler - «obwohl wir uns wenig sehen».

Der 63-jährige Depardieu war kürzlich vor hohen Reichensteuern nach Belgien geflüchtet. Dort hat er sich bereits erkundigt, wie er an einen belgischen Pass komme. Er hatte angekündigt, seinen französischen Pass zurückgeben zu wollen.

«Kein autoritäres System»

Putin griff aber auch weniger Seichtes auf. Er könne der Behauptung nicht zustimmen, dass das System autoritär sei, sagte Putin vor über 1000 Journalisten in Moskau. «Der beste Beweis ist meine Entscheidung, meinen Posten nach zwei Amtszeiten zu verlassen.» Hätte er den Weg des Autoritarismus gewählt, hätte er die Verfassung geändert. «Das wäre leicht gewesen.»

Putin verteidigte vor den Medien einen Gesetzesentwurf, der US-Bürgern die Adoption russischer Kinder verbietet. Die Regelung sei eine angemessene Antwort auf ein Gesetz in den USA, das Sanktionen gegen Russen wegen Menschenrechtsverletzungen vorsehe.

USA selbst «haufenweise Probleme»

Die USA hätten moralisch kein Recht, das russische Justizsystem zu kritisieren. «Sie haben selbst haufenweise Probleme», sagte Putin und verwies etwa auf das Gefangenenlager in Guantánamo.

Überdies sei die Maßnahme eine Reaktion auf Mängel beim Schutz adoptierter russischer Kinder in den USA. Die US-Justiz habe mehrfach US-Bürger nicht wegen Totschlags verurteilt, nachdem Kinder in ihrer Obhut gestorben seien. «Die Richter wollen uns nicht einmal als Beobachter zulassen.»

Zwar seien die meisten US-Familien, die Kinder adoptieren würden, «freundlich und ehrenwert», aber der Schutz der Kinder sei ungenügend, sagte der russische Präsident. Das Gesetz wurde kürzlich vom russischen Parlament vorläufig angenommen, muss aber noch weitere legislative Etappen durchlaufen, bevor Putin es unterzeichnen kann.

Bestens aufgelegt

Bei seiner eigenen Gesundheit hüllte sich der 60-jährige Kremlchef in Schweigen. Gespräche über die Gesundheit seien Versuche, den Zustand der Macht infrage zu stellen. «Warten Sie erst gar nicht darauf», sagte Putin vor den Medienleuten. «Nutzen hätten die politischen Gegner, die versuchen, die Legitimität und die Leistungsfähigkeit der Macht in Zweifel zu ziehen.»

Bei seiner ersten mehrstündigen Pressekonferenz seit 2008 zeigte sich der seit mehr als 13 Jahren regierende Putin bestens aufgelegt. Zuletzt hatten Medien immer wieder über Rückenbeschwerden des Präsidenten berichtet. Der Kreml hatte stets beteuert, Putin sei gesund.

(L'essentiel Online/sda)

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