Vernissage in Ankara – Putin droht «Banditen» nach Mord an Botschafter

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Vernissage in AnkaraPutin droht «Banditen» nach Mord an Botschafter

Die Präsidenten Erdogan und Putin scheinen sich einig in der Beurteilung des Attentats auf den russischen Botschafter in Ankara. In der Türkei wurden sechs Personen verhaftet.

Der russische Botschafter in der Türkei ist bei einem Anschlag in Ankara erschossen worden. Der Attentäter feuerte am Montag bei der Eröffnung einer Kunstausstellung mehrmals auf Botschafter Andrei Karlow. Der Bürgermeister von Ankara teilte später mit, bei dem Angreifer habe es sich um einen türkischen Polizisten gehandelt. Er soll sich bei der Tat zum Jihad bekannt sowie «Rache» und den Namen der syrischen Stadt Aleppo gerufen haben.

Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde der Angreifer 15 Minuten nach dem Angriff von Sicherheitskräften «neutralisiert». Auf Bildern in sozialen Medien war er tot vor einer Wand mit Einschusslöchern zu sehen.

Erdogan und Putin sprechen von Provokation

Das Außenministerium in Moskau bestätigte, dass der Botschafter bei einem «Terrorangriff» getötet wurde. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan rief seinen russischen Kollegen Wladimir Putin am Abend an, um ihn persönlich über den Anschlag zu informieren, wie die türkische Präsidentschaft mitteilte.

Die Präsidenten Putin und Erdogan bezeichneten das Attentat als Provokation, die das bilaterale Verhältnis stören soll. «Wir müssen wissen, wer die Hand des Mörders führte», sagte Putin. Als Antwort auf den Mord werde Russland seinen Kampf gegen den Terror verstärken. «Die Banditen werden es zu spüren bekommen.»

Die Außenminister Russlands und der Türkei wollen ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus verstärken. Darüber seien sich Sergej Lawrow und Mevlüt Cavusgolu einig gewesen, erklärte das russische Außenministerium nach einem Telefonat der beiden. US-Außenamtssprecher John Kirby, der britische Außenminister Boris Johnson und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verurteilten die Tat.

Sechs Festnahmen

Die türkische Polizei hat nach dem Attentat laut Staatsmedien sechs Personen festgenommen. Die Eltern, die Schwester und zwei weitere Verwandte des Attentäters seien in der westlichen Provinz Aydin in Gewahrsam genommen worden.

Der Mitbewohner des Attentäters in Ankara sei ebenfalls festgenommen worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag.

«Vergesst nicht Aleppo»

Dramatische Fernsehbilder zeigten, wie der Angreifer von hinten auf den Botschafter am Rednerpult schießt. Während er mit der Pistole in die Zuschauer zielt, ruft er «Allahu Akbar» (Gott ist groß) und bekennt sich auf Arabisch zum Jihad, bevor er auf Türkisch sagt: «Vergesst nicht Syrien, vergesst nicht Aleppo.» Alle Unterstützer der Tyrannei würden zur Rechenschaft gezogen.

Ankaras Bürgermeister Melih Gökcek teilte später auf Twitter mit, es habe sich bei dem Angreifer um einen 22-jährigen türkischen Polizisten gehandelt, der nicht im Dienst war. Demnach könnte er zur Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen gehören, den die Regierung für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli verantwortlich macht.

Drei weitere Menschen wurden laut türkischen Medienberichten bei dem Angriff verletzt. Der Angriff ereignete sich während der Eröffnung einer Fotoausstellung namens «Russland von Kaliningrad bis Kamtschatka» im Cagdas Sanatlar Merkezi, einer wichtigen Ausstellungshalle im Cankaya-Viertel, in dem die russische sowie viele andere Botschaften liegen.

Beziehungen zuletzt verbessert

Der 1954 geborene Diplomat Andrei Karlow war im Juli 2013 als Botschafter nach Ankara entsandt worden. Zuvor war er Botschafter in Nordkorea.

Das Verhältnis Moskaus und Ankaras hatte sich nach einer mehrmonatigen Eiszeit wegen des Abschusses eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im vergangenen November zuletzt verbessert. Am Dienstag ist ein Treffen in Moskau zwischen den Außenministern Russlands, der Türkei und des Iran zum Syrienkonflikt geplant.

Proteste gegen Russlands Vorgehen in Syrien

Während Russland und der Iran den syrischen Staatschef Bashar al-Assad militärisch unterstützen, steht die Türkei seit Beginn des Bürgerkriegs aufseiten der Rebellen. In der türkischen Bevölkerung ist die Empörung groß über die massive Unterstützung Russlands für Assad bei der Offensive gegen die Rebellen in der nordsyrischen Großstadt Aleppo.

In den vergangenen Tagen hatte es Proteste vor den Botschaften und Konsulaten des Iran und Russlands in Ankara und Istanbul wegen Aleppo gegeben. Aleppo wurde inzwischen von der syrischen Armee fast vollständig von den Rebellen zurückerobert.

(L'essentiel/mch/afp)

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