«Putin ist ein Idiot» – Abgehörte Telefonate zeigen Situation an der Front

Publiziert

Ukraine-Krieg«Putin ist ein Idiot» – Abgehörte Telefonate zeigen Situation an der Front

Obwohl den russischen Soldaten das Telefonieren an der Kriegsfront untersagt ist, ist dies einigen Soldaten gelungen. Aufzeichnungen davon sind nun veröffentlicht worden. 

von
Justin Arber
1 / 4
Russischen Soldaten an der Kriegsfront ist es gelungen, trotz Verbot mit Angehörigen zu telefonieren. 

Russischen Soldaten an der Kriegsfront ist es gelungen, trotz Verbot mit Angehörigen zu telefonieren. 

IMAGO/SNA
Sie zeigen sich unter anderem nicht begeistert vom eigenen Kriegsmaterial. Die Nato-Rüstung der Ukraine sei viel besser. 

Sie zeigen sich unter anderem nicht begeistert vom eigenen Kriegsmaterial. Die Nato-Rüstung der Ukraine sei viel besser. 

IMAGO/SNA
Auch der russische Präsident Wladimir Putin wird kritisiert. Von einem Soldaten wird er als «Idiot» bezeichnet. 

Auch der russische Präsident Wladimir Putin wird kritisiert. Von einem Soldaten wird er als «Idiot» bezeichnet. 

IMAGO/Russian Look

Mehrere Soldaten haben offenbar gegen das Verbot, das Telefon an der Front zu benutzen, verstoßen. Die Ukraine hat «Tausende» der unerlaubten Anrufe abgehört und Mitschnitte aus dem ersten Kriegsmonat nun der New York Times (Bezahlartikel) zur Verfügung gestellt.

Die amerikanische Zeitung gibt an, Reporter hätten die Echtheit der Telefonate mithilfe von Messenger-Diensten und Social-Media-Profilen überprüft. Es wurden über zwei Monate damit verbracht, die Aufnahmen zu übersetzen. Während der Telefonate seien auch immer wieder Äußerungen gemacht worden, die nach russischem Recht strafbar sind, wenn sie öffentlich geäußert werden. 

«Putin ist ein Idiot»

«Niemand hat uns gesagt, dass wir in den Krieg ziehen», heisßt es etwa von einem Anrufer, der mit seiner Mutter telefonierte. Ein anderer erzählt: «Wir sollten alle für zwei oder drei Tage zum Training. Sie haben uns verarscht wie kleine Kinder.» Ein anderer findet deutliche Worte für den russischen Präsidenten: «Putin ist ein Idiot. Er will Kiew einnehmen. Wir haben keine Chance, das zu schaffen.»

Mit Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin wird allgemein nicht zurückhaltend umgegangen. Dieser Krieg sei die dümmste Entscheidung, die ihre Regierung je getroffen hat, sagt ein Soldat in einem Anruf. Auch berichten Soldaten, dass sie von der eigenen Artillerie beschossen wurden, da diese dachten, sie seien Ukrainer. 

Kritik an russischem Kriegsmaterial

Ein Soldat berichtet über begangene Kriegsverbrechen an Zivilisten, die der russischen Stellung zu nahe gekommen seien. «Wir haben sie gefangen genommen, ausgezogen und ihre Kleidung durchsucht. Dann musste eine Entscheidung gefällt werden, ob wir sie gehen lassen. Wenn wir sie laufen lassen, können sie unsere Position verraten ... also wurde entschieden, sie im Wald zu erschießen.» 

Auch das russische Kriegsmaterial kommt in den Telefonaufzeichnungen nicht gut weg. Einige hätten von gefallenen Ukrainern die Rüstung abgenommen, da deren Nato-Rüstung besser sei als ihre eigene. Die Waffen seien nicht so modern, wie es im staatlichen Fernsehen gezeigt werde. 

«Ich will nur meinen Mann zurück»

Viele der Soldaten sagen, dass sie ihre Militäraufträge kündigen wollen. Sie zeigen sich überrascht über die «professionellen» ukrainischen Streitkräfte und verwenden häufig den Begriff «Khokhol», eine Verunglimpfung der Ukrainer.

Für viele gibt es einen grundlegenden Motivationsfaktor, weshalb sie trotzdem im Krieg bleiben: Sie brauchen den Sold. Die Soldaten geben an, dass sie zusätzlich zu ihrem monatlichen Sold umgerechnet 53 Dollar pro Tag verdienen. Dies entspreche in etwa dem Dreifachen des Durchschnittsgehalts in den Heimatstädten der Soldaten, wie die New York Times schreibt. 

Die Angehörigen der Soldaten reagieren auf unterschiedliche Weise. Einige ermutigen sie, zu gehen, andere bitten sie, stark zu bleiben. Eine Frau sagt: «Ich brauche dein verdammtes Geld nicht. Ich will nur meinen Mann zurück.»

Deine Meinung

1 Kommentar