Trotz Euromaidan – Putin sonnt sich weiter in seinen Erfolgen

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Trotz EuromaidanPutin sonnt sich weiter in seinen Erfolgen

Vom Konflikt in der Ukraine lässt sich Putin seine Olympia-Party nicht verderben. Lieber feiert er sich und seine Erfolge. Zumindest bis die Spiele in Sotschi zu Ende sind.

In Sotschi ist Wladimir Putin ein verwandelter Mann. Vorbei sind beim russischen Präsidenten martialische Posen. Jetzt zeigt er vornehme Zurückhaltung. Sein strategisches Kalkül mit den Olympischen Winterspielen scheint aufzugehen.

Die 3:2-Niederlage von Russlands Eishockeyteam im Penaltyschießen gegen die USA nahm Putin am Samstag würdevoll hin. Der Gastgeber der Winterspiele von Sotschi mochte nach dem Spiel nicht einmal eine umstritte Schiedsrichterentscheidung kritisieren. Von einem Reporter auf politische Freiheiten in Russland angesprochen, gab er sich entrüstet: «Gibt es keine Hoffnung, dass Sie den Sport nicht mit der Politik in Verbindung bringen?»

Olympia als Potemkinsches Dorf

Die heutigen Winterspiele finden vor einem wenig imponierenden Hintergrund statt. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist Russland ein schwacher Staat. Seine Wirtschaft stagniert, die Bevölkerung altert und die Bevölkerung im Kaukasus rebelliert weiter. Gleichwohl ist da die Fassade von Sotschi. So hat zum Beispiel ein Sportreporter des Newsportals Watson die so perfekt organisierte Olympiade bereits als die «besten Spiele aller Zeiten» genannt.

«Besten Spiele aller Zeiten»

Falls nicht Unvorhergesehenes die letzten Wettkampftage trübt, kann der russische Präsident Sotschi als glanzvollen Höhepunkt feiern. Das würde zu der Serie verblüffender weltpolitischer Erfolge passen, die er in den Monaten zuvor zustande gebracht hat. Der amerikanische Historiker Walter Russell Mead nennt im «Wall Street Journal» Putins wichtigste Schritte der letzten Monate:

Syrien:

Snowden-Asyl war diplomatischen Coup

Ägypten:

Geheimdienste:

Blutige Straßenschlachten

Ukraine:

Falls sich die Situation in der Ukraine gegen ihn kehrt, wäre das für Putin und sein Projekt verheerend. Um Russland zur einstigen Größe zurückzuführen, braucht er außenpolitisch nichts so zwingend wie Kontrolle über die Ukraine. Nach Einschätzung vieler Beobachter wird Putin deshalb dafür sorgen, dass in Kiew durchgegriffen wird - aber endgültig erst nach dem Ende der Winterspiele am Sonntag. Wenn es so weit ist, wird sich Sotschi erst recht als Blendwerk erweisen.

(L'essentiel/sda)

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