Ukraine-Krieg: Putin verschiebt Rede – doch in Russland droht gebietsweise das Kriegsrecht

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Ukraine-KriegPutin verschiebt Rede – doch in Russland droht gebietsweise das Kriegsrecht

Russische Staatsmedien hatten für Dienstagabend eine Rede von Putin angekündigt. Doch auch nach Stunden erschien der russische Präsident nicht auf den Bildschirmen. Dennoch wurde bekannt, dass in einzelnen Regionen das Kriegsrecht verhängt werden könnte.

von
Benedikt Hollenstein
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Eigentlich sollte Putin gestern Abend zum russischen Volk sprechen.

Eigentlich sollte Putin gestern Abend zum russischen Volk sprechen.

via REUTERS
Weil auch Verteidigungsminister Schoigu teilnehmen sollte, wurden zunächst Gerüchte über eine Generalmobilmachung laut.

Weil auch Verteidigungsminister Schoigu teilnehmen sollte, wurden zunächst Gerüchte über eine Generalmobilmachung laut.

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Laut dem Vorsitzenden des russischen Unterhauses sei keine Generalmobilmachung geplant – allerdings sei eine Ausrufung des Kriegsrechtes in bestimmten Gebieten möglich.

Laut dem Vorsitzenden des russischen Unterhauses sei keine Generalmobilmachung geplant – allerdings sei eine Ausrufung des Kriegsrechtes in bestimmten Gebieten möglich.

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Gemäß mehrerer russischen Medien wollte Wladimir Putin am Dienstagabend eigentlich einen Appell ans russische Volk richten. Auch Verteidigungsminister Schoigu sollte teilnehmen, woraufhin rasch Spekulationen über eine allgemeine Mobilmachung laut wurden. Doch der Kreml-Chef tauchte nicht auf – etliche russische Fernsehsender zeigten stattdessen ältere Reden des Präsidenten. Laut der niederländischen Nachrichtenagentur BNO wurde die Rede mittlerweile auf Mittwoch verschoben, wie mehrere Kreml-nahe Quellen berichten würden.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur «Interfax» schreibt derweil, dass der Vorsitzende des russischen Unterhauses bekanntgegeben habe, dass keine Generalmobilmachung erfolgen werde – in einzelnen Gebieten sei die Einführung des Kriegsrechts aber möglich.

Schwanensee- und Atomschlag-Theorien

Zuvor hatte die stundenlange Verspätung in Kombination mit anderen Faktoren auf Twitter für Spott und wilde Spekulationen gesorgt. So rechneten einige User damit, dass im russischen Staatsfernsehen bald nur noch die Tschaikowski-Oper «Schwanensee» in Dauerschleife gezeigt würde. Denn als am 19. August 1991 Panzer und Truppen in Moskau einmarschierten, zeigten die staatlich kontrollierten Sender diese Oper. Schnell war den Russen klar, dass etwas nicht stimmt – bereits nach dem Tod von Breschnew lief die Oper über Stunden im Staats-TV, während ein Nachfolger für den Sowjet-Chef gesucht wurde.

Andere malten sich noch düsterere Szenarien aus. Weil eine russische Maschine während Stunden nordöstlich von Moskau kreiste, spekulierten User, dass es sich dabei um ein «Doomsday Plane» handeln könnte und Putins angekündigte Rede nur ein Ablenkungsmanöver sei, um von einem nuklearen Erstschlag abzulenken. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bezeichnet ein Flugzeug, das der Landesführung einer Atommacht als mobile Kommandozentrale dient.

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