Nach der Krim – Putins Biker-Freund sieht Ukraine-Invasion

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Nach der KrimPutins Biker-Freund sieht Ukraine-Invasion

Russland werde nach der Krim-Halbinsel auch die Ukraine erobern, weiss ein Biker und Putin-Freund. Von Kiew bis Washington steigt die Nervosität.

Behält Alexander «der Chirurg» Saldostanow recht, wird es in der Ukraine bald knallen. Der Anführer von Russlands Biker-Gang Nachtwölfe sagte in einem Interview Ende März: «Die Krim ist nur der Anfang. Wir werden in Kiew einfahren.» Das Interview fand kurz nach der Volksbefragung auf der Krim in Sewastopol statt und wurde von der Website censor.net aufgezeichnet.

Der glühende Patriot Saldostanow ist nicht irgendwer. Der aus Moskau stammende Biker-Boss lernte Russlands Präsidenten Wladimir Putin erstmals 2009 auf der Krim kennen. Seither sind die beiden Russlandfans enge Freunde. Putin hat dem «Chirurgen» vor einem Jahr eine Ehrenmedaille verliehen und geht immer wieder mit ihm auf Töff-Tour. Wie die Website Kiewpost berichtet, kam der russische Präsident einmal Stunden verspätet zu einem Treffen mit dem damaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch, weil er mit Saldostanow unterwegs war.

Biker lieferten Proviant

In der Krise um die Ukraine mischen Nachtwölfe aktiv mit. Anfang März leitete Saldostanow eine Massenfahrt seiner Gang auf die Krim, um russische Truppen mit Proviant zu versorgen. Schon im Januar «besetzten» seine Biker die russischsprachigen Städte Simferopol, Charkow und Luhansk.

Die gewaltlose Übernahme der Krim-Halbinsel will den Biker-Boss überrascht haben. «Wir hatten militärische Operationen vorbereitet, aber es kam anders», sagte Saldostanow. Dass Russland die Ukraine dominieren soll, steht für den Biker ausser Frage. Angeblich heisst es auf der Website seines Klubs: «Jeder Ort, wo Nachtwölfe sind, muss als russisch gelten.»

Angespannte Lage in der Ukraine

In der Ukraine steigt derweil die Nervosität. Sicherheitskräfte haben die von russischen Separatisten besetzten Regierungsgebäude in Charkow zurückerobert. In Luhansk sollen jedoch prorussische Rebellen 60 Personen als Geiseln festhalten.

Die Nerven liegen auch in der Hauptstadt Kiew blank. Im ukrainischen Parlament kam es während einer Rede des Chefs der kommunistischen Partei zu einer Massenschlägerei. Petro Simonenko hatte den ukrainischen Nationalisten vorgeworfen, Moskau in die Hände zu spielen. Erbost stürmten Abgeordnete der Rechtspartei «Swoboda» auf den Redner los. Sofort griffen Simonenkos Parteikollegen schützend ins Handgemenge ein, und die Fäuste flogen.

Kerry warnt Russland

Die Zuspitzung macht auch Washington Sorgen. Aussenminister John Kerry sagte am Dienstag vor einem Senatsausschuss, die Ereignisse in der Ukraine könnten eine«konstruierte Krise» sein, an der «russische Agenten» beteiligt seien. Russland müsse wählen, sagte er. «Entweder arbeitet es mit der internationalen Gemeinschaft zusammen, um eine unabhängige Ukraine als Brücke zwischen Ost und West zu bauen. (…) Oder es droht ihm stärkere Isolation, und es muss die Kosten für die fehlende Einsicht zahlen, dass die Welt kein Nullsummenspiel ist.»

Laut «Voice of America» fordert Russlands Aussenminister Sergej Lawrow, dass Regionen mit prorussischen Separatisten an den kommenden Gesprächen über die Ukraine beteiligt werden. Nächste Woche will die ukrainische Regierung zusammen mit den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union über das künftige Vorgehen beraten.

US-Russlandpolitik unklar

Im US-Senat kamen Kerrys Ausführungen nicht nur gut an. Der republikanische Senator Bob Corker rügte die zwiespältige Politik der USA gegenüber den Russen. «Auf der einen Seite kritisieren wir sie, auf der anderen tauschen wir mit ihnen Papiere aus», sagte Corker. «Ich bin verwirrt, was unsere Politik wirklich ist.»

(L'essentiel/sut)

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