Die Schlacht um Damaskus – Rebellen töten syrischen Minister

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Die Schlacht um DamaskusRebellen töten syrischen Minister

Um die syrische Hauptstadt Damaskus wird heftig gekämpft. Die Rebellen haben bei einem Anschlag am Mittwoch den Verteidigungsminister getötet und weitere Regierungsmitglieder schwer verletzt.

In der syrischen Hauptstadt Damaskus fahren auch am 17. Juli Panzer auf während am Himmel Helikopter kreisen.

In der syrischen Hauptstadt Damaskus fahren auch am 17. Juli Panzer auf während am Himmel Helikopter kreisen.

AFP

Die Kämpfe zwischen Aufständischen und Soldaten in Damaskus werden offenbar immer heftiger. Die Rebellen erklärten, die Armee habe am dritten Tag der Gefechte zwar mehrere Viertel der syrischen Hauptstadt umstellt, diese jedoch nicht erobern können.

Es handle sich um die schwersten Kämpfe im Machtzentrum von Präsident Baschar al-Assad seit dem Beginn des Aufstandes vor 17 Monaten. Aufständische sprachen von Raketen und Artilleriegeschossen, die im Viertel Tadamon eingeschlagen seien.

In Midan im Zentrum der syrischen Hauptstadt seien Scharfschützen auf den Dächern in Stellung gegangen. Auf Videos im Internet waren Männer in Jeans mit Granatwerfern zu sehen sowie brennende Reifen und Rauchsäulen über der Stadt. «Überall sind Soldaten. Ich kann Rettungswagen hören», sagte ein Anwohner. Man fühle sich wie im Krieg.

Angeblich Armee-Helikopter abgeschossen

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte setzten die Regierungstruppen in zivilen Wohngebieten auch Helikopter ein. Unter Berufung auf mehrere Augenzeugen meldete die Organisation, dass Rebellen eine Maschine abgeschossen hätten. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich

Damaskus war ebenso wie die nördliche Metropole Aleppo von schweren Kämpfen bisher verschont geblieben. Da vor allem in diesen beiden Städten die syrischen Eliten wohnen, die in den vergangenen Jahren am meisten vom Regime profitieren konnten, ist die Unterstützung für Präsident Assad hier vergleichsweise groß.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete am Dienstag, syrische Truppen seien weiterhin auf der Jagd nach «terroristischen Elementen» in der Hauptstadt. Um den Eindruck zu erwecken, die Lage sei unter Kontrolle, strahlte das staatliche Fernsehen mit Musik unterlegte Aufnahmen aus, die Frauen beim Einkaufen zeigen.

Flucht in die Nachbarländer

Aktivisten meldeten unterdessen, zahlreiche Familien seien nach Angriffen der Armee aus dem Al-Asali-Viertel in Damaskus geflohen. Nach UNO-Angaben hat sich die Zahl der im Ausland offiziell registrierten syrischen Flüchtlinge allein seit April nahezu verdreifacht, auf inzwischen 112 000 Menschen.

Drei Viertel der Flüchtlinge seien Frauen und Kinder. Sie retten sich über die offenen Grenzen in die Türkei, nach Jordanien, in den Libanon und den Irak. Dort werde es allerdings immer schwieriger, noch mehr Flüchtlinge zu versorgen.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) beklagte, dass zwei Wochen nach der Verabschiedung eines internationalen Hilfsprogramms für syrische Flüchtlinge im Umfang von 193 Millionen Dollar erst 26 Prozent der benötigten Mittel tatsächlich zugesagt worden seien.

Werben um Moskau und Peking

Unterdessen gingen die Bemühungen weiter, auf diplomatischer Ebene das Patt im UNO-Sicherheitsrat zu überwinden. Bisher haben China und Russland eine härtere Gangart im Syrien-Konflikt durch ihr Veto-Recht verhindert. Nach seiner Ankunft zu Gesprächen mit der chinesischen Führung in Peking rief UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon in einem Live-Online- Gespräch mit chinesischen Internetnutzern zur Einigkeit im UNO- Sicherheitsrat auf, um das Blutvergießen zu stoppen. «Es gibt große Erwartungen, dass sich der UNO-Sicherheitsrat einig ist und entschlossene Maßnahmen ergreift», sagte Ban. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao empfängt Ban am Mittwoch.

Auch der UNO-Sondergesandte Kofi Annan hofft nach Gesprächen in Moskau auf eine Einigung im UNO-Sicherheitsrat und auf eine neue Syrien-Resolution. «Die Mitglieder finden hoffentlich Formulierungen, die für alle annehmbar sind», sagte Annan nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml. Das Mandat der UNO-Beobachtermission läuft am Freitag aus, der Sicherheitsrat könnte an diesem Mittwoch über eine Verlängerung entscheiden.

( L'essentiel Online / sda/dapd )

Verteidigungsminister getötet

Bei einer Explosion vor dem Gebäude der syrischen Sicherheitsbehörden in Damaskus sind am Mittwoch nach Berichten staatlicher Medien mehrere Regierungsvertreter schwer verletzt worden. Der syrische Verteidigungsminister Dawud Radschha wurde dabei so stark verletzt, dass er den Anschlag nicht überlebt hatte.

Der Sprengsatz sei während eines Treffens mehrerer Minister mit Angehörigen der Sicherheitsbehörden detoniert, berichtete das staatliche Fernsehen. Über die genaue Zahl der Opfer und ihre Identität wurde nichts bekannt. In der syrischen Hauptstadt lieferten sich Regierungstruppen und Kämpfer der Opposition den vierten Tag in Folge schwere Gefechte.

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