Abholzung – Regenwald wird teils illegal über Facebook verkauft
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AbholzungRegenwald wird teils illegal über Facebook verkauft

Grundstücke, so groß wie 1000 Fußballfelder werden über den Facebook Marketplace illegal angeboten – und das, obwohl dort eigentlich indigene Stämme wohnen.

Über den Marketplace von Facebook können alle möglichen Dinge angeboten und gekauft werden, von Kleidung über elektronische Geräte und Möbel bis bin zu ganzen Häusern und Wohnungen. Wie die «BBC» aufgedeckt hat, kommt es aber immer wieder zu illegalem Handel, bei welchem unter anderem sogar Teile des Regenwalds in Brasilien zum Verkauf angeboten werden – obwohl es sich dabei um geschützte Gebiete handelt, in welchen indigene Stämme wohnen.

Tatsächlich fanden die «BBC»-Ermittler Angebote auf Facebook, bei welchen Teile des Regenwalds angeboten wurden, die so groß wie 1000 Fußballfelder sind. Von Seiten von Facebook werden allerdings keine großen Bemühungen angestellt, den Handel zu unterbinden. Das Unternehmen habe nur mitteilen lassen, dass man bereit sei, mit den lokalen Autoritäten zusammen zu arbeiten. Selbstständig wolle Facebook aber nichts unternehmen, da der Aufwand zu groß und komplex sei – wies aber darauf hin, dass Käufe und Verkäufe grundsätzlich nicht gesetzeswidrig sein dürften. Es sei aber Aufgabe der lokalen Regierungen, gegen solche illegalen Aktivitäten vorzugehen.

Illegale Handlungen nicht versteckt

Gegenüber der «BBC» beschwert sich der Anführer einer indigenen Gruppierung allerdings über die Handlungen von Facebook. Er bittet den Tech-Giganten, mehr gegen diese illegalen Aktivitäten zu unternehmen, da die indigenen Gemeinschaften stark negativ davon betroffen seien. Lokale Regierungen würden ebenfalls tatenlos zusehen.

Dabei versuchen die Händler nicht einmal, ihre illegalen Aktivitäten zu verbergen. Jede Person, die auf Facebook Marketplace nach den portugiesischen Begriffen für Wald, Dschungel oder Nutzholz sucht, kann die Angebote finden. Einige davon sind sogar mit Satelliten-Bildern oder genauen GPS-Daten ausgestattet.

Land für 35.000 Dollar

Gefährlich sind solche illegalen Handel nicht nur für die indigene Bevölkerung, sondern auch für den Regenwald und den Planeten als Ganzes. Denn die Abholzung des Amazonas befindet sich auf einem so hohen Niveau wie seit zehn Jahren nicht mehr und wird durch Angebote wie jene auf Facebook Marketplace nur noch stärker angetrieben.

Einer der Verkäufer, der mit einer versteckten Kamera aufgenommen wurde, erklärt offen, dass er von Seiten der Regierung keine Inspektion fürchte. Dabei schreitet er durch einen Teil des Regenwalds, den er zuvor selbst abgebrannt hatte – wohl um ihn in Grasland für Nutztiere umzuwandeln. Nun möchte er das Land für 35.000 Dollar (rund 31.700 Euro) verkaufen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei einem zweiten Verkäufer, mit dem die «BBC» unter dem Vorwand, ein reicher Investor zu sein, gesprochen hat. Der Händler bot ein Gebiet des Regenwalds zum Verkauf an, in welchem Mitglieder des Uru Eu Wau Wau-Volks wohnen. Der Verkäufer gab allerdings an, dass sich auf dem Stück Land keine indigenen Bewohner befänden. «In einem 50-Kilometer-Radius befinden sich aber einige, daher kann ich nicht garantieren, dass nicht ab und zu einer rumläuft», heißt es.

«Es ist ein äußerst harter Kampf»

Ganz tatenlos schaut die brasilianische Regierung dem Geschehen aber nicht zu. Mit einer neu aufgesetzten Operation, die den Namen «Verde Brasil 2» trägt, soll in diesem Jahr stärker gegen illegale Abholzung und Verbrennung des Regenwaldes vorgegangen werden. Eigentlich habe man dies schon im letzten Jahr geplant, so der Umweltminister Brasiliens, Ricardo Salles, aber die Pandemie habe den Prozess verlangsamt.

Ivaneide Bandeira, die bereits seit 30 Jahren gegen illegale Abholzung und den Verkauf des Regenwaldes kämpft, hat die Hoffnung aber fast aufgegeben. Zur «BBC» sagt sie: «Es ist ein äußerst harter Kampf und es ist sehr schmerzhaft, zu sehen, wie der Regenwald nach und nach zerstört wird und zusammenschrumpft. Es war in der ganzen Geschichte des Waldes noch nie so schwierig, ihn aufrechtzuerhalten.»

(L'essentiel/Dominique Zeier)

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