Absage an «Cours des religions» – Regierung hält an «Werte-Unterricht» in Schulen fest

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Absage an «Cours des religions»Regierung hält an «Werte-Unterricht» in Schulen fest

LUXEMBURG – Der Werteunterricht, der vom Schuljahr 2016/17 die Wahl zwischen Religions- und Moralunterricht ersetzen soll, soll auch religiöse Themen beinhalten.

Bislang wird in an luxemburgischen Schulen nur katholische Religion unterrichtet.

Bislang wird in an luxemburgischen Schulen nur katholische Religion unterrichtet.

AFP

Die Kirchen des Landes haben am Dienstag ein Memorandum unterschrieben, dass die Einführung von «Cours des religions» (zu Deutsch: Unterricht der Religionen) an öffentlichen Schulen fordert. Derzeit wird im Religionsunterricht den Schülern nur katholische Religion nähergebracht, alternativ können sie am Moralunterricht teilnehmen. Die Pläne der Regierung sehen vor, diese Wahlmöglichkeit mit Beginn des Schuljahres 2016/17 zu streichen und für alle Schüler einen gemeinsamen Werteunterricht einzuführen. Dieses Vorhaben stößt allerdings nicht nur auf Lob.

Dabei liegen Kirchen und Regierung in ihren Vorstellungen gar nicht so weit auseinander. Bildungsminister Claude Meisch nennt das Memorandum «bemerkenswert», denn der im Koalitionsvertrag festgeschriebene Werteunterricht soll «objektiv die großen religiösen und philosophischen Strömungen präsentieren». Die Forderung der Kirchen sieht sehr ähnlich aus.

Doch in einem entscheidenden Punkt unterscheiden sie sich. Während die Kirchen wollen, dass in den «Cours des religions» Religion das einzige Thema ist, will die Regierung, dass den Kindern «die Antworten verschiedener philosophischer Strömungen auf die grundlegenden Fragen unserer Gesellschaft näher gebracht werden». Ziel sei es, die Schüler dazu zu befähigen, mittels kritischen Denkens für sich selbst eine Entscheidung fällen zu können, erklärt der Minister gegenüber L’essentiel.

Ministerium will nur einen einzigen Kurs

Für die «Allianz der Atheisten und Agnostiker Luxemburg» (AHA) ist das Memorandum ein «erneuter Versuch der Einmischung in die öffentlichen Schulen». Der Verein weist darauf hin, dass niemand die Kirchen davon abhalte, außerhalb der Schule eigene Religionsunterrichte zu organisieren. Derselben Auffassung ist das Ministerium: «Es wäre absolut denkbar, dass diese Kurse – außerhalb des schulischen Unterrichts – in den Schulen gehalten werden können», erklärt ein Sprecher.

Wie es aussieht, will die Regierung bei ihrem Vorhaben standhaft bleiben und «alle Schüler in einem gemeinsamen Kurs zusammenbringen, unabhängig von ihrer religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung». In naher Zukunft sollen Religionslehrer und jene, die derzeit den Moralunterricht leiten, ihre Vorstellungen eines gemeinsamen Unterrichts kundtun. Auf dieser Grundlage will die Regierung bis Januar kommenden Jahres ein Orientierungspapier verfassen, das dann ab März 2015 zu einem Lehrplan weiterentwickelt werden soll.

(fr/pw/L'essentiel)

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