Kritik an Management: Rehlinger zweifelt an fairer Entscheidung zum Saarlouiser Ford-Werk
Publiziert

Kritik an ManagementRehlinger zweifelt an fairer Entscheidung zum Saarlouiser Ford-Werk

SAARBRÜCKEN – Enttäuschung und Verärgerung – das war die Stimmung im Landtag des Saarlandes unmittelbar vor der Ford-Mitteilung über die Zukunft des Auto-Standorts Saarlouis. Aber es gab auch Trotzs: Notfalls geht es auch ohne Ford.

ARCHIV - 26.02.2018, Köln: Ein Ford Mitarbeiter arbeitet in der Produktion des Fiesta an einer Karosserie.  (zu dpa «Gewerkschaft fordert von Ford Standortsicherung für Saarlouis» vom 25.03.2019) Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Ford-Werk im Saarland steht in Konkurrenz mit dem Standort im spanischen Valencia. (Archiv)

Oliver Berg/dpa

Die Regierung und das Landesparlament des Saarlandes haben heftige Kritik am Vorgehen des Ford-Managements hinsichtlich des Fortbestandes des Werkes in Saarlouis geübt. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) bezweifelte am Mittwoch im Plenum des Landtages, dass die Entscheidung von Ford fair getroffen worden sei. «Ich bin heute der festen Überzeugung, dass es uns gelungen ist, das bessere Angebot auf den Tisch zu legen», sagte sie.

Unmittelbar vor der offiziellen Verkündung der Entscheidung über die Zukunft des Werkes und der insgesamt rund 6000 Arbeitsplätze versicherte der Landtag, er stehe an der Seite der 4600 Ford-Beschäftigten und der Beschäftigten der Zulieferer. Man werde alles dafür tun, um Arbeitsplätze zu sichern.

Saarlouis befand sich in einem sogenannten Bieterwettbewerb mit dem spanischen Standort Valencia für die Produktion eines Ford-Elektroautos ab 2025. Dieser «Bieterwettbewerb» sei «ein zynischer und unwürdiger Prozess, der lediglich nach Profit gefragt hat», sagte Rehlinger. In einer Wirtschaftsordnung müsse es nicht nur um Profit gehen, sondern auch um Verantwortung. Wer Beschäftigte nur als Kostenfaktoren betrachte, «wird sich am Ende auch vorwerfen lassen müssen, dass er schäbig mit seinem wertvollsten Kapital umgegangen ist».

«Es drängt sich die Vermutung auf, dass dieses Verfahren nie fair angelegt war»

Ministerpräsidentin Rehlinger

Sie habe «Zweifel, ob wir uns in diesem fairen Verfahren je befunden haben», bei dem die Wirtschaftlichkeit wirklich das entscheidende Kriterium sei, sagte Rehlinger. Sie bedauerte, Ford sei nicht auf das Angebot eingegangen, von einem unabhängigen Wirtschaftsinstitute nachrechnen zu lassen, welcher Standort der bessere sei. «Ich finde, das wirft kein gutes Licht auf das Management, um es mal sehr vorsichtig zu sagen. Denn dadurch drängt sich tatsächlich die Vermutung auf, dass dieses Verfahren nie fair angelegt war.» Es habe sich möglicherweise um ein «Scheinverfahren» gehandelt, um eine «bereits im Vorfeld getroffene Entscheidung zu legitimieren».

Das Saarland habe Ford zuletzt ein «ausformulierte, erklärtes, konkretisiertes» Paket für den Erhalt des Standortes Saarlouis vorgelegt. Dieses habe sich «in einer Größenordnung bewegt, die näher an einer Milliarde als an 500 Millionen Euro liegt». Man habe auch dieses Paket gerne erklären wollen: «Wir hatten nur den Eindruck, manchmal wollte es niemand wissen. Ich hatte den Eindruck, man wollte gar nicht genau hören, was wir alles im Gepäck haben, weil es vielleicht Vorfestlegungen stört.»

«Sie verdienen jetzt eine verlässliche Zukunftsperspektive»

Stephan Toscani

«Dieses Management hat eiskalt und rücksichtslos Tausende Arbeitnehmer in Saarlouis und Valencia gegeneinander ausgespielt», sagte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ulrich Commerçon. Das Management des Konzerns habe «immensen Druck» ausgeübt und existenzielle Ängste geschürt: «Ein psychischer Druck bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus.» Das Management habe den Menschen nicht nur den Schlaf geraubt, «es hat sie in gewisser Weise auch ihrer Würde beraubt». «Was für eine Schande», sagte Commerçon. Falls im sogenannten Bieterverfahren getrickst worden sei, «dann muss das die teuerste Werksschließung in der Geschichte von Ford werden».

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Stephan Toscani sagte, das Land sei mit seinem Angebot an Ford «an die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit gegangen». Die Beschäftigten hätten Kurzarbeit, die Streichung einer Nachtschicht und den Wegfall ganzer Produktionslinien mitgetragen, um den Standort zu sichern: «Umso mehr verdienen Sie jetzt eine verlässliche Zukunftsperspektive.»

Die Regierung habe stets für die Arbeitsplätze in Saarlouis gekämpft, sagte Rehlinger. «Gerne und am liebsten mit und bei Ford. Aber wenn nicht Ford, dann kämpfen wir trotzdem um diese Arbeitsplätze, denn die Menschen bleiben die gleichen.» Falls es nicht mehr mit Ford gehe, dann «sollten wir uns nicht klein machen und sollten uns viel auch für die Zukunft zutrauen».

(L'essentiel/dpa)

Deine Meinung

0 Kommentare