Gouverneurswahl – Republikaner Youngkin gewinnt in Virginia
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GouverneurswahlRepublikaner Youngkin gewinnt in Virginia

Glenn Youngkin hat die Wahl in Virginia für sich entschieden. Er setzte sich damit gegen den Demokraten Terry McAuliffe durch.

Der Republikaner Glenn Youngkin hat laut Hochrechnungen der US-Fernsehsender die Gouverneurswahl im US-Bundesstaat Virginia gewonnen. Youngkin schlug demnach bei der Wahl am Dienstag mit 2,7 Prozentpunkten Vorsprung knapp seinen Rivalen Terry McAuliffe von den Demokraten. Die Gouverneurswahl galt als Stimmungstest für US-Präsident Joe Biden und seine Demokraten. Die Demokraten waren siegessicher – nun erleben sie ein Desaster. Ein Republikaner wird Gouverneur in Virginia. In New Jersey wird noch ausgezählt – es ist ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Abstimmungen sind ein Weckruf für Biden – und ein Sieg für Trump.Der 54 Jahre alte Youngkin wurde im Wahlkampf von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt – auch wenn er sich öffentlich eher von ihm distanzierte und sich auf lautigte Wählerinnen und Wähler konzentrierte. Bereits vor der Wahl hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet, im Sommer lag allerdings der 64-jährige Demokrat McAuliffe noch vorn. US-Präsident Joe Biden versuchte besonders, den republikanischen Kandidaten in Virginia mit Trump in Verbindung zu bringen.

«Trump in Khakihosen»

«Terry tritt gegen einen Gefolgsmann von Donald Trump an», sagte Biden bei einer Wahlkampfveranstaltung in Arlington. Auch McAuliffe versuchte, seinen politischen Gegner in die Nähe Trumps zu rücken und nannte ihn etwa «Trump in Khakihosen». Noch kurz vor Schließung der Wahllokale hatte sich Biden siegessicher gegeben. «Wir werden gewinnen. Ich denke, wir werden in Virginia gewinnen», hatte er beim Klimagipfel in Glasgow noch gesagt. Er landete etwa zeitgleich mit der Verkündung von Youngkins Sieg wieder in Washington.

Für die Republikaner ging es in Virginia auch um die Frage, ob sie bei lautigten Wechselwählern und -wählerinnen in ländlichen Gebieten punkten können. Die Niederlage McAuliffes im bislang demokratisch regierten Virginia ist eine schwere Schlappe für die Demokraten und ein schlechtes Vorzeichen für die Zwischenwahlen zum US-Kongress im November kommenden Jahres.

Schlappe für Joe Biden

Die Wahl gilt als eine Art Lackmustest für Biden, der vor einem Jahr ins Weiße Haus gewählt wurde. Seine Zustimmungswerte sind schlecht wie nie seit seinem Amtsantritt. Er versucht seit langem, zwei Investitionspakete durch den Kongress zu bringen. Biden scheiterte damit aber bislang an Flügelkämpfen in seiner eigenen demokratischen Partei. Beobachtern zufolge ist die Niederlage bei der Wahl in Virginia auch als Quittung dafür zu werten.

US-Präsident Joe Biden hatte bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr den Staat noch mit zehn Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Youngkin stellte seinen Gegner im Wahlkampf als Teil einer politischen Elite dar und profitierte von McAuliffes Aussage in einer Debatte, dass Eltern nur wenig Einfluss auf die Lehrpläne an Schulen haben sollten. Dem republikanischen Kandidaten gelang es außerdem, die Anhänger des früheren Präsidenten Donald Trump anzusprechen und gleichzeitig Wähler und Wählerinnen in den Vorstädten für sich zu gewinnen, die den Ex-Präsidenten ablehnen.

Wie groß die Aussagekraft der Wahlergebnisse in Virginia und New Jersey ist, ist allerdings offen. Nach der Wahl von Trump zum Präsidenten im Jahr 2016 gewannen Demokraten die Gouverneursämter in Virginia und New Jersey. Die Republikaner gewannen in beiden Staaten hingegen bei den Gouverneurswahlen nach der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten 2008. In Virginia ist es Gouverneuren nicht erlaubt, für zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten zu kandidieren. Sie können aber – wie McAuliffe – später ein zweites Mal antreten. Derzeit hat der Demokrat Ralph Northam das Gouverneursamt inne. Der Bundesstaat grenzt an die US-Hauptstadt Washington an.

(L'essentiel/AFP/bla)

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