Namur – Richter nimmt Ex von Kindermörder Dutroux auf

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NamurRichter nimmt Ex von Kindermörder Dutroux auf

GROSSREGION – Die Exfrau des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux darf bei einem pensionierten Richter in Namur wohnen. Er hat gute Gründe dafür.

Die ehemalige Ehefrau und Komplizin des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux erhält ein neues Zuhause: Michelle Martin – seit 2012 auf Bewährung aus der Haft entlassen – darf beim pensionierten Richter Christian Panier einziehen.

Der frühere Richter von Namur, rund 60 Kilometer südlich von Brüssel, bietet der 55-jährigen Martin eine Bleibe in seinem Haus an. Er habe «genügend Platz», erklärte Panier dem belgischen Fernsehsender RTBF. Außerdem wolle er der Exfrau des Kindermörders eine Chance auf Resozialisierung bieten.

Richter will «zivilisierte Justiz»

«Ich will nicht den Helden spielen», sagte Panier. Aber nach 30 Jahren bei der Justiz und nachdem er viele Verurteilte jahrelang ins Gefängnis geschickt habe, sei er der Ansicht, «dass es die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ist, die den Unterschied zwischen einer Justiz der Rache und einer zivilisierten Justiz ausmacht».

Wie der Sender France3 schreibt, werde Michelle Martin in den kommenden Tagen umziehen. Ein Gericht hat den Umzug bereits vor fünf Monaten bewilligt. In Paniers Haus bekommt Martin eine eigene Wohnung.

«Ich hoffe, ich treffe sie nicht auf der Straße»

Die Nachbarn sind über die Nachricht nicht erfreut. «Sie war schon mehrmals hier mit ihrem Sohn und hat den Richter besucht», erzählt ein Familienvater aus Namur dem Nachrichtenportal RTL. Paniers Haus liegt nur wenige Meter von der Schule entfernt. «Allein wird sie nichts Böses tun können, aber ihr Umfeld vielleicht? Wer sind die Leute, mit denen sie zu tun hat? Welche Menschen aus ihrem früheren Leben hat sie noch um sich?», fragt sich der Mann besorgt.

Eine andere Frau meint: «Ich hoffe, ich treffe sie nicht auf der Straße. Anlächeln werde ich sie ganz sicher nicht». Einige Eltern haben bereits eine Petition lanciert. «Ich begreife das nicht», meint Ex-Richter Panier dazu. «Madame Martin ist aus der Haft entlassen worden und erfüllt ihre Bewährungsauflagen.»

Kinder im Keller verhungern lassen

Die Grundschullehrerin Michelle Martin war im Jahr 1996 gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Marc Dutroux festgenommen worden. In einem Kellerverlies in ihrem Haus in Bertrix hatte die Polizei die zwei entführten Mädchen Sabine Dardenne (12) und Laetitia Delhez (13) entdeckt. Während den Ermittlungen stießen die Polizisten zudem auf fünf Mädchenleichen.

Im Jahr 2004 wurde Martin wegen Mittäterschaft zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte die entführten Mädchen Julie Lejeune und Melissa Russo in ihrem Kellerverlies verhungern lassen, während ihr Mann bereits im Gefängnis saß. 2003 hatte sich Martin von Dutroux scheiden lassen. Dieser sitzt seit 1996 im Gefängnis und verbüßt seit 2004 eine lebenslange Haftstrafe.

Ein Berufungsgericht in Brüssel entschied 2012, Martin auf Bewährung und unter Auflagen vorzeitig aus der Haft zu entlassen. Sie wohnte zunächst in einem Klarissenkloster bei Malonne. Die Bereitschaft der Nonnen, Martin aufzunehmen, führte zu Protesten mit teils gewalttätigen Ausschreitungen vor dem Kloster. Vergangenen Sommer hatte ein Gericht in Mons dem Gesuch von Michelle Martin stattgegeben, ihren Wohnort zu ändern.

(L'essentiel/kle)

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