Angreifer von San Bernardino – Rohrbomben, Gewehre und 1600 Kugeln Munition
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Angreifer von San BernardinoRohrbomben, Gewehre und 1600 Kugeln Munition

Was trieb die Angreifer von San Bernardino? Online-Kontakte eines der Täter deuten auf eine Radikalisierung hin. Wirklich sicher ist nur: Das Paar hatte ein wahres Waffenarsenal bei sich.

Nach der Schießerei mit 14 Toten in einem Sozialzentrum in Kalifornien warnen Regierungsvertreter weiterhin vor voreiligen Schlüssen. Allerdings gibt es erste Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung der Täter. Einer der Angreifer habe über soziale Medien Kontakte zu Extremisten unterhalten, die dem FBI bekannt waren, sagte ein Geheimdienstbeamter.

Ermittler versuchten nun herauszufinden, ob und wie sich der als Attentäter identifizierte Syed Rizwan Farook radikalisiert haben könnte und ob er in Kontakt mit einer Terrororganisationen im Ausland gestanden habe.

Der 28-Jährige und seine ein Jahr jüngere Frau Tashfeen Malik stürmten am Mittwoch ein Sozialzentrum in San Bernardino und töteten 14 Menschen. 17 weitere wurden verletzt. Später wurden sie bei einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen.

Farook hatte im Sozialzentrum an einem Mitarbeiter-Bankett teilgenommen, das Event aber verlassen – um später bewaffnet und in Kampfmontur zurückzukehren.

Rohrbomben daheim, Sturmgewehre im Wagen

Mit seiner Frau habe er am Tatort bis zu 75 Gewehrpatronen abgefeuert, teilten die Behörden mit. Am Sozialzentrum selbst hätten sie drei Rohrbomben mit einem ferngesteuerten Sprengsatz zurückgelassen, der offenbar nicht funktioniert habe.

Zudem hätten sie über 1600 weitere Kugeln bei sich gehabt, als sie in ihrem Geländewagen erschossen wurden – nebst zwei Sturmgewehren und zwei Pistolen. In ihrem Haus hatten die Attentäter außerdem zwölf Rohrbomben und über 3000 Munitionsladungen gehortet, sagte Polizeichef Jarrod Burguan.

Ein mit den Ermittlungen vertrauter US-Regierungsvertreter sagte, das FBI betrachte die Schießerei in San Bernardino zwar als potenziellen Terrorakt, könne das jedoch nicht bestätigen. Die Personen, mit denen Farook im Netz kommuniziert habe, seien im Visier des FBI gestanden, jedoch «keine wichtigen Akteure auf unserem Radar» gewesen. Zudem lägen dessen Online-Kontakte schon länger zurück, und es gebe keine Hinweise auf eine «Zunahme» der Kommunikation im Vorfeld der Gewalttat in San Bernardino.

Das Paar stand zuvor nicht im Visier des FBI

Farook und seine Frau seien vor dem Blutbad nicht im Visier des FBI gestanden, sagte der Gewährsmann weiter. Zwar seien Farooks Online-Kontakte ein «potenzieller Faktor». Derartige Verbindungen bedeuteten jedoch noch lange nicht, dass jemand ein Terrorist sei, schränkte der Regierungsvertreter ein.

In Washington warnte auch Justizministerin Loretta Lynch vor vorschnellen Schlüssen zum Tatmotiv. «Wir wissen nicht, ob es sich um Wut am Arbeitsplatz oder etwas Größeres oder eine Kombination von beidem handelt.» Damit schloss sie sich Präsident Barack Obama an, der einen terroristischen Hintergrund nicht ausschloss, jedoch auch einen Konflikt am Arbeitsplatz als mögliches Motiv genannt hatte. Zudem plädierte Obama erneut für ein strengeres Waffenrecht in den USA. Massentötungen und Amokläufe haben ihn durch seine beiden Amtszeiten begleitet, ohne dass der Kongress seinem Ruf nach genaueren Überprüfungen von Waffenverkäufen folgte.

Erst Reise nach Saudi-Arabien, dann ein Bart

Farook wurde in den USA geboren, er stammt aus einer pakistanischen Familie. Nach Angaben von Behörden und Bekannten war er seit fünf Jahren Angestellter des Landkreises San Bernardino. Seine Frau Malik soll im Juli 2014 mit einem pakistanischen Pass in die USA gekommen sein.

Farooks Arbeitskollege Patrick Baccari beschrieb ihn als zurückhaltend. In diesem Jahr sei Farook nach Saudi-Arabien gereist. Er sei etwa einen Monat weg gewesen und mit einer Ehefrau zurückgekehrt. Später habe er sich einen Bart wachsen lassen.

(L'essentiel/gux/sda)

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