«Ekelerregend» – «Rolling Stone» hievt Boston-Bomber aufs Cover

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«Ekelerregend»«Rolling Stone» hievt Boston-Bomber aufs Cover

«Ein Schlag ins Gesicht» für Bostons Bevölkerung: Das Cover des neuen «Rolling Stone» mit dem Bild des Attentäters Dschochar Zarnajew.

«Der Bomber», steht in fetten schwarzen Lettern unter dem Foto auf dem Magazin. Es ist eine modische Schrift – sie erinnert eher an ein CD-Cover als an einen Bericht zum Weltgeschehen.

«Der Bomber», steht in fetten schwarzen Lettern unter dem Foto auf dem Magazin. Es ist eine modische Schrift – sie erinnert eher an ein CD-Cover als an einen Bericht zum Weltgeschehen.

Zerzaustes Haar, Ziegenbärtchen, der Blick direkt in die Kamera gerichtet: Würde man ihn nicht kennen, könnte der Mann, der auf dem Cover der neusten Augabe des «Rolling Stone» abgebildet ist, ein Rockstar sein. Doch für einmal ist es kein Musiker, der es auf die Titelseite des Magazins geschafft hat, sondern Dschochar Zarnajew – einer der beiden Attentäter vom Boston Marathon. Das Bild hatte er vor seiner Verhaftung selbst im Internet gepostet.

«Der Bomber», steht in fetten schwarzen Lettern unter dem Foto auf dem Magazin. Es ist eine modische Schrift – sie erinnert eher an ein CD-Cover als an einen Bericht zum Weltgeschehen. Daneben werden im gleichen Stil Artikel zu den Sängern Jay-Z und Robin Thicke angekündigt.

Tausende wütende Kommentare

Diese Darstellung des Attentäters ist vielen Amerikanern in den falschen Hals geraten: «Oh, schaut, Rolling Stone glamourisiert Terrorismus. Super», schreibt eine Userin auf dem Facebook-Profil des Magazins, wo eine Vorschau des Covers zu sehen ist. Die gedruckte Zeitschrift ist erst ab Anfang August am Kiosk erhältlich.

Schon über 2300 weitere Facebook-Benutzer haben das Foto und die dazugehörige Beschreibung kommentiert. Das Unverständnis und die Wut sind gross: Viele bezeichnen die Aufmachung der Titelseite als «geschmacklos» oder gar «ekelerregend». Es hagelt Beschimpfungen, bisherige Abonnenten rufen zum Boykott des Magazins auf. Menschen aus Boston schreiben, für sie sei es «ein Schlag ins Gesicht» und eine «tiefe Beleidigung».

Brisante Enthüllungen angekündigt

Ob die verantwortlichen Redakteure wohl geahnt haben, was sie mit ihrem Artikel auslösen würden? Auf der Facebook-Seite des «Rolling Stone» wird der Hauptartikel der neuen Ausgabe jedenfalls stolz angepriesen. «Tiefe Einblicke ins Leben des Boston Bombers» werden versprochen. Insgesamt soll die verantwortliche Journalistin fünf brisante Entdeckungen gemacht haben.

Zarnajew habe seinen muslimischen Glauben in der Highschool heruntergespielt, heißt es in der Online-Vorschau zum Artikel beispielsweise. Zudem will das Magazin herausgefunden haben, dass es wohl ein öffentlicher Aufruf von Zarnajews ehemaligem Wrestling-Trainer war, der diesen schließlich dazu brachte, sich zu stellen, als die Polizei sein Versteck im Boot umzingelt hatte.

Zarnajew wird vorgeworfen, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan den Bombenanschlag auf den Boston-Marathon am 15. April verübt zu haben, bei dem drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt wurden. Bevor er gefasst wurde, versteckte sich Zarnajew in einem Boot. «Wir Muslime sind ein Körper. Verletze einen von uns und du verletzt uns alle», kritzelte er an die Bootswand.

(L'essentiel Online/jbu)

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