Lynchmob in Frankreich – Roma-Teenager halbtot geprügelt

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Lynchmob in FrankreichRoma-Teenager halbtot geprügelt

Lynchjustiz in Frankreich: Der 16-jährige Darius, ein Roma, wird zusammengeschlagen. Seine Angreifer lassen ihn halbtot in einem Einkaufswagen liegen.

Ein Roma-Lager in Saint-Ouen in der Nähe von Paris (Symbolbild). (Bild: Keystone/Etienne Laurent)

Ein Roma-Lager in Saint-Ouen in der Nähe von Paris (Symbolbild). (Bild: Keystone/Etienne Laurent)

Eine brutale Attacke auf den 16-jährigen Darius, einen Roma-Teenager, hat Frankreich in Aufregung versetzt und die Politik auf den Plan gerufen. Der französische Präsident François Hollande nannte den Angriff am Dienstag «entsetzlich und durch nichts zu rechtfertigen». Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Täter zu finden.

Letzten Freitag waren rund ein Dutzend Menschen in ein Roma-Lager in Pierrefitte-sur-Seine im Norden von Paris gegangen, nachdem eine Wohnung ausgeraubt worden war. Dort schlugen sie Darius, den sie für den Täter hielten, bis zur Bewusstlosigkeit, wie ein Sprecher der Polizeigewerkschaft dem Sender LCI sagte.

Er lag am Rand einer Autobahn

Passanten fanden den Teenager am späten Abend bewusstlos am Rand einer Autobahn – seine Angreifer hatten ihn in einen stehengelassenen Einkaufswagen geschmissen, berichtet Le Monde. Wegen seiner schweren Kopfverletzungen musste der junge Mann in ein künstliches Koma versetzt werden. Die Polizei wertet Material von Überwachungskameras aus.

Tatverdächtige wurden bislang noch keine festgenommen. Laut «Le Monde» wurde aber eine Reihe der zahlreichen Augenzeugen des Übergriffs vernommen.

Innenminister Bernard Cazeneuve, der für die Polizei zuständig ist, verurteilte die Tat. Es sei ausschließlich Aufgabe der Sicherheitskräfte, dafür zu sorgen, dass die öffentliche Ordnung geachtet werde, sagte er.

In Frankreich wächst die Gewalt gegen Roma

Anti-Rassismusgruppen sagen, dass in Frankreich die Gewalt gegen Roma-Einwanderer wachse. Häufig werden den Roma, die zumeist aus Osteuropa kommen, kleinere Verbrechen vorgeworfen. Viele von ihnen leben am Rand von Autobahnen in Behelfslagern oder auf unbebauten Grundstücken, ohne fließendes Wasser oder Strom.

Ohne Angabe eines regulären Wohnortes haben sie es schwer, ihre Kinder zur Schule anzumelden, subventionierten Wohnraum zu beantragen oder medizinische Versorgung durch das Gesundheitssystem oder gar eine Arbeitsstelle zu bekommen.

(L'essentiel/sda/gux)

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