Interview – Royal-Experte verteidigt die Großherzogin

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InterviewRoyal-Experte verteidigt die Großherzogin

LUXEMBURG – Stéphane Bern steht der großherzoglichen Familie nahe. Nach dem Waringo-Bericht verteidigt er Maria Teresa im «L'essentiel»-Interview.

Institut de France

L'essentiel: Herr Bern, Großherzog Henri hat Maria Teresa im Zusammenhang mit dem Waringo-Bericht verteidigt. Was halten Sie von seinem Statement?

Stéphane Bern: Er hat Recht. Und er ist ein echter Gentleman. Die Presse hat die Großherzogin aufgrund von Gerüchten verurteilt. Das ist doch schrecklich! Sie hat Kindern im Gefängnis geholfen. Sie engagiert sich für Frauen. Sie setzt sich seit 39 Jahren für dieses Land ein. In 35 Jahren habe ich sie nie etwas Schlechtes sagen hören.

Der von der Regierung in Auftrag gegebene Bericht soll aber Beschwerden erwähnen, die zum Teil auf den Aussagen ehemaliger Mitarbeiter beruhen.

Niemand hat diesen Bericht bisher gelesen. Jemanden wegen Klatsch und Tratsch zu verurteilen, ist unseres Landes nicht würdig. Dadurch schadet man der Monarchie. Wir geben der Großherzogin die Schuld für alles, aber sie ist nicht allein am Hof. Außerdem hat sie extrem viel Arbeit. Darum braucht es Modernisierung am Großherzoglichen Hof.

In welchen Bereichen?

Der Staat bezahlt die Angestellten, aber er stellt das Personal nicht ein. Es braucht jemanden, der für das Personalwesen zuständig ist.

Wie angespannt ist das Verhältnis zwischen dem Premierminister und der Großherzogin?

Es ist gar nicht angespannt. Das weiß ich, weil ich mit beiden gesprochen habe. Maria Teresa hat volles Vertrauen in Xavier Bettel. Ich bin überzeugt, dass alles heiße Luft ist.

Es war sogar die Rede davon, dass Großherzog Henri abdankt.

Er hat nicht die Absicht, abzudanken. Wenn ich mich recht erinnere, wollte er dies nach seinem 70. Geburtstag tun. (Anm. d. Red.: Großherzog Henri ist 64 Jahre alt). Er wird Erbgroßherzog Guillaume und Stéphanie Zeit geben, ihre Kinder zu erziehen sich auf das Amt vorzubereiten.

Ist es möglich, dass die Monarchie diesen Skandal nicht überlebt?

Die Monarchie hält Luxemburg am Leben. Wenn Luxemburg zu einer Republik wird, dann spricht niemand mehr über dieses kleine Land. Auf internationaler Bühne existiert es vor allem deswegen, weil es das Großherzogtum ist. Dieser Status stiftet auch Identität in diesem multikulturellen und vielfältigen Land. Die Monarchie muss einfach nur modernisiert werden.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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