Grenzgemeinden – Run auf Perler Schule sorgt für leere Klassen

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GrenzgemeindenRun auf Perler Schule sorgt für leere Klassen

SCHENGEN/PERL – Wenn im Schengen-Lyzeum in Perl Einschreibungen laufen, interessiert das auch die luxemburgischen Moselgemeinden. Ihnen drohen leere Klassen.

Luxemburger Schüler können sich in die fünfte oder siebte Klasse der deutsch-luxemburgischen Schule einschreiben.

Luxemburger Schüler können sich in die fünfte oder siebte Klasse der deutsch-luxemburgischen Schule einschreiben.

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Gut 110 neue Fünftklässler schreiben sich in dieser Woche im deutsch-luxemburgischen Schengen-Lyzeum im saarländischen Perl ein. Die Hälfte stammt aus Luxemburg, vor allem aus den Moselgemeinden.

Der Run auf die bilinguale Modellschule, die 2007 vom Saarland und Luxemburg gegründet wurde, macht sich in den Grundschulen an der luxemburgischen Mosel sofort bemerkbar. Die Klassen bluten aus. Schuld daran sind die unterschiedlichen Schulsysteme im Saarland und in Luxemburg.

Jahrgang kommt nicht zustande

Die Schüler aus dem Großherzogtum können in der fünften oder in der siebten Klasse aufs Schengen-Lyzeum wechseln. Die Eltern müssen sich entscheiden. Melden sie ihre Kinder – gleichzeitig mit ihren deutschen Klassenkameraden – an, verlassen sie die luxemburgische Grundschule zwei Jahre früher als vorgesehen. Und das tun die meisten.

«Von den 25 Kindern einer Klasse in unserer Grundschule wechseln zwei Drittel oder mehr nach Perl und fehlen in den letzten beiden Grundschuljahren», bestätigt Roger Weber, Bürgermeister der luxemburgischen Gemeinde Schengen. Vor zwei Jahren wollten besonders viele kleine Schengener nach Perl wechseln – die Klasse kam nicht zustande.

«Der Platz ist sicher»

«Mit weniger als sieben Kindern bekommen wir keine eigenständige Klasse genehmigt», so Weber. Vor zwei Jahren mussten die Kinder in die Grundschule der Nachbargemeinde Wellenstein wechseln, mit der Schengen zusammen arbeitet.

Doch am verfrühten Abschied der Kinder aus den Grundschulen ändert die Kooperation nichts: «Viele Eltern wollen sichergehen, dass ihre Kinder tatsächlich einen Platz im Schengen-Lyzeum bekommen», meint Roger Weber.

Im siebten Schuljahr bleiben Restplätze

Das Schengen-Lyzeum rät ebenfalls ausdrücklich zum gemeinsamen Start der Schüler im fünften Schuljahr: «Bei der früheren Anmeldung ist den Schülern ihr Platz relativ sicher. Im siebten Schuljahr gibt es nur noch die Plätze zu ergattern, die im Kontingent für luxemburgische Schüler noch frei sind», erklärt Vize-Direktorin Marion Zenner. In den vergangenen beiden Jahren waren das rund 20.

Auch aus pädagogischen Gründen spreche viel für die frühere Anmeldung, argumentiert Zenner: «So fangen die Schüler alle zusammen in einem neuen System an. Kommen sie in der siebten Klasse dazu, müssen sie sich nicht nur die neue Methodik, sondern auch die Aufnahme in die bereits bestehende Klassengemeinschaft erst erkämpfen.»

Perl ist näher als Hauptstadt

Zwei weitere Gründe sprechen für den Wechsel zur Pilotschule im Grenzgebiet: der Sprachenunterricht und die Distanz. «Viele Kinder aus der Gegend tun sich mit Französisch schwerer – da meinen die Familien, dass eine deutsch-luxemburgische Schule sie besser fördern kann», erklärt Bürgermeister Weber.

Außerdem liegt Perl einfach näher als das Lyzeum im gut 30 Kilometer entfernten Grevenmacher oder die Schulen in der Hauptstadt. «Wenn Sie Ihrem Kind ersparen wollen, morgens um halb sieben loszufahren, um gegen acht in der Stadt zu sein, schicken Sie es aufs Schengen-Lyzeum.»

Sarah Brock/L'essentiel Online

Welche Alternative zum Schengen-Lyzeum?

Obwohl die Moselgemeinden eigentlich zum Einzugsgebiet des Lyzeums Joseph Bech in Grevenmacher gehören, macht sich der Erfolg des Schengen-Lyzeums dort kaum bemerkbar, so Direktor Gilles Estgen auf Anfrage. Die Kinder aus dem Kanton Remich gingen traditionell in der Hauptstadt zur Schule. Ändern könnte sich die Schullandschaft an der Mosel dann, wenn das geplante Lyzeum in Bad-Mondorf gebaut wird. Die Finanzierung dafür ist aber noch nicht gesichert.

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