Potsdam: Russische Journalistin Timtschenko erhält Medienpreis Prix Europa

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PotsdamRussische Journalistin Timtschenko erhält Medienpreis Prix Europa

Die Mitbegründerin des Online-Mediums Meduza ist als europäische Journalistin des Jahres ausgezeichnet worden.

Meduza gilt als eines der wichtigsten unabhängigen Medien Russlands.

Meduza gilt als eines der wichtigsten unabhängigen Medien Russlands.

Twitter / Jonas Leppin

Die Kreml-kritische russische Medienmacherin Galina Timtschenko ist im Rahmen des Medienfestivals Prix Europa als europäische Journalistin des Jahres ausgezeichnet worden. Die Mitbegründerin, Geschäftsführerin und Herausgeberin des unabhängigen Online-Mediums Meduza erhielt den Preis am Freitag in Potsdam, wie die Festivalmacher mitteilten.

Timtschenko war bis 2014 Chefredakteurin des russischen Nachrichten-Portals Lenta.ru. Sie wurde nach kritischen Berichten in der Ukraine-Krise entlassen. Bei der Preisverleihung sagte sie: «Dieser Moment ist für mich und mein Team äußerst inspirierend.» Er zeige, dass verstanden werde, dass «unser Job wichtig ist.»

Meduza wurde in Lettland gegründet

In Potsdam nahm am Donnerstag auch eine Preisträgerin aus dem vergangenen Jahr ihre Auszeichnung nachträglich in Empfang. Die belarussische Journalistin Darya Chultsova befand sich nach Angaben der Initiatoren des Festivals bis September 2022 in Gefangenschaft.

Die diesjährige Preisträgerin Timtschenko gründete nach ihrer Entlassung in Russland in Lettland Meduza, um frei von der Medienaufsicht in Moskau zu sein. Meduza hat sich nach Angaben von Prix Europa zu einer der wichtigsten russischsprachigen unabhängigen Nachrichtenquellen entwickelt. Die Plattform wurde zunächst über Werbeeinnahmen finanziert, die mit der Aufnahme ins Register sogenannter ausländischer Agenten wegfielen. Danach startete Meduza demnach eine Crowdfunding-Kampagne.

Die belarussische Journalistin Chultsova war im Jahr 2020 mit ihrer Kollegin Katsiaryna Andreyeva festgenommen worden, nachdem sie eine Protestveranstaltung gegen den weißrussischen Machthaber Alexander Lukaschenko gestreamt hatten. Beide wurden zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, ihre Kollegin erhielt danach eine zusätzliche Freiheitsstrafe von acht Jahren.

Beide arbeiteten nach Angaben des Festivals für den Fernsehsender Belsat TV und wurden im vergangenen Jahr für ihre mutige Berichterstattung mit dem Prix Europa als europäische Journalisten des Jahres 2021 ausgezeichnet.

Der Prix Europa wird von einem Bündnis aus 26 Mitgliedern europäischer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten und weiterer europäischer Träger gestützt. Schirmherr ist das EU-Parlament. Gastgeber sind der RBB, die Landeshauptstadt Potsdam und das Land Brandenburg. In diesem Jahr sind 187 Produktionen aus 28 europäischen Ländern nominiert. Im kommenden Jahr wird der Preis in Berlin verliehen, wie die Festivalmacher ankündigten.

(DPA)

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