Ukraine-Krieg: Russische Zentralbankerin erwartet langfristige Folgen der Sanktionen

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Ukraine-KriegRussische Zentralbankerin erwartet langfristige Folgen der Sanktionen

Die russische Regierung tut gern so, als seien westliche Sanktionen kein Problem für ihr Land. Doch so einfach ist das nicht, warnt die Notenbankchefin.

Russia's Central bank chief Elvira Nabiullina attends a session of the Saint Petersburg International Economic Forum (SPIEF) in Saint Petersburg on June 16, 2022. (Photo by Olga MALTSEVA / AFP)

Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabiullina ist besorgt.

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Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabiullina hat Hoffnungen auf eine Rückkehr zu wirtschaftlichen Verhältnissen in ihrem Land wie vor Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine gedämpft. «Es ist für jeden offensichtlich, dass es nicht so sein wird wie zuvor», sagte Nabiullina am Donnerstag auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. «Die äußeren Bedingungen haben sich in der Tat für lange Zeit verändert, wenn nicht für immer.»

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine haben zahlreiche Staaten Russland mit Wirtschaftssanktionen belegt und arbeiten daran, sich von russischen Energieexporten unabhängig zu machen. Die wichtigsten russischen Banken sind vom Swift-System zum Datenabgleich zwischen Banken bei internationalen Zahlungen ausgeschlossen worden. Hunderte Unternehmen aus dem Ausland haben ihre Geschäfte in Russland ausgesetzt oder sich ganz zurückgezogen. Die Folgen des Ganzen sind noch nicht vollständig absehbar.

Wirtschaftsentwicklungsminister Maxim Reschetnikow sagte, er rechne mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in Russland um 7,8 Prozent in diesem Jahr. Die Prognosen seien aber in letzter Zeit besser geworden.

Russland versucht Sanktionen durch heimische Produktion aufzufangen

Russische Regierungsvertreter haben die Sanktionen als wirkungslos abgetan und erklärt, einheimische Unternehmen könnten die Geschäfte ausländischer Firmen übernehmen. Die Regierung werde helfen, das zu finanzieren. Doch Finanzminister Anton Siluanow warnte, man könne es damit auch übertreiben. «Wir hören jetzt: »Gebt uns mehr Geld. Lasst uns dort mehr investieren." – Diese Haushaltsmedizin darf kein Rauschgift werden», sagte er.

Notenbankchefin Nabiullina riet, Russland solle sich angesichts von Wirtschaftssanktionen weniger auf Exporte und mehr auf Produktion im Inland konzentrieren. Man habe immer geglaubt, Ausfuhren seien für Russland ein Wert an sich. «Wir müssen das überdenken und letztendlich über die Tatsache nachdenken, dass ein bedeutender Teil der Produktion für den Inlandsmarkt arbeiten sollte», sagte sie. Russland brauche mehr verarbeitendes Gewerbe und müsse auch Endprodukte selbst herstellen.

(AP)

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