Nach zähen Verhandlungen: Russland-Pilot gegen US-Soldat – Biden und Putin tauschen Gefangene aus
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Nach zähen VerhandlungenRussland-Pilot gegen US-Soldat – Biden und Putin tauschen Gefangene aus

Trotz äußerst schlechter diplomatischer Beziehungen einigten sich Russland und die USA auf den Gefangenenaustausch. Der frühere Marineinfanterist Trevor Reed kehrt nach drei Jahren heim, im Gegenzug ließen die USA Konstantin Jaroschenko frei.

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Drei Jahre lang war der US-Soldat Trevor Reed in Russland inhaftiert. Bild: Anhörung in Moskau am 11. März 2020. 

Drei Jahre lang war der US-Soldat Trevor Reed in Russland inhaftiert. Bild: Anhörung in Moskau am 11. März 2020. 

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Grund für Reeds Verhaftung waren ein angeblicher Überfall auf Polizisten und Widerstand gegen die russische Staatsgewalt im betrunkenen Zustand. Er war zu insgesamt neun Jahren Haft verurteilt worden.

Grund für Reeds Verhaftung waren ein angeblicher Überfall auf Polizisten und Widerstand gegen die russische Staatsgewalt im betrunkenen Zustand. Er war zu insgesamt neun Jahren Haft verurteilt worden.

AFP
Seine Eltern kämpften pausenlos um seine Freilassung. Auch für die US-Regierung habe der Fall «höchste Priorität» gehabt. 

Seine Eltern kämpften pausenlos um seine Freilassung. Auch für die US-Regierung habe der Fall «höchste Priorität» gehabt. 

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Russland und die USA haben überraschend einen seit langem diskutierten Gefangenenaustausch ausgeführt. Russland ließ den früheren US-Marineinfanteristen Trevor Reed nach drei Jahren frei und erhielt dafür den in den USA verurteilten russischen Piloten Konstantin Jaroschenko. Dieser war in den USA wegen Verschwörung zum Schmuggel von Kokain zu 20 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er 2010 in Liberia verhaftet worden war. Russland setzte sich jahrelang für seine Rückkehr in die Heimat ein. 

Biden und Putin diskutierten in Genf über den Austausch

US-Präsident Joe Biden bestätigte in Washington die Freilassung Reeds. Über den Gefangenenaustausch hatten Biden und Putin bei ihrem Gipfeltreffen in Genf im vergangenen Jahr gesprochen. Angesichts der angespannten Beziehungen der beiden Länder, deren Verhältnis sich durch den Ukraine-Krieg noch einmal drastisch verschlechtert hat, kommt der Austausch dennoch äußerst unerwartet. Das russische Außenministerium teilte mit, der Gefangenenaustausch sei «das Ergebnis eines langen Verhandlungsprozesses» gewesen.

Die USA hatten immer wieder die Freilassung Trevor Reeds gefordert. Er war im Sommer 2019 verhaftet und im Juli 2020 zunächst zu neun Jahren Straflager verurteilt worden. Grund dafür waren ein angeblicher Überfall auf Polizisten und Widerstand gegen die russische Staatsgewalt im betrunkenen Zustand.

Der US-Botschafter in Russland, John Sullivan, hat das Urteil als «absurdes Theater» kritisiert. Seine Familie hat angegeben, er sei unschuldig. Zuletzt machte sich die Familie mehrfach Sorgen um Reeds Gesundheitszustand. Dieser hat mehrere Male mit Hungerstreiks gegen seine Haftbedingungen protestiert, wie CNN berichtete. 

Reeds Familie hatte bei der US-Regierung intensiv dafür geworben, alles für die Freilassung des Studenten zu tun. Für die Biden-Regierung habe der Fall Reed «höchste Priorität» gehabt, sagte eine US-Gewährsperson. Der russische Pilot Jaroschenko habe bereits den Großteil seiner Haftstrafe abgesessen. «Es war eine schwierige Entscheidung, aber eine, die es uns wert erschien», fügte die Gewährsperson an.

Biden feiert Reeds Rückkehr

Ein US-Regierungsvertreter betonte aber, der Gefangenentausch habe keinerlei Auswirkungen auf die grundsätzlichen Beziehungen zwischen Washington und Moskau im Ukraine-Krieg. «Das stellt keinen – null – Wandel in unserer Herangehensweise zu der schockierenden Gewalt in der Ukraine dar.» Die Gespräche mit Russland über den Häftlingsaustausch seien «strikt» auf dieses Thema begrenzt gewesen.

Biden erklärte: «Heute begrüßen wir Trevor Reed zuhause und feiern seine Rückkehr zu seiner Familie, die ihn sehr vermisst hat.» Biden dankte Sullivan und anderen US-Regierungsmitgliedern für die Bemühungen um Reeds Freilassung. Die Verhandlungen hätten «schwierige Entscheidungen» erfordert, betonte er. Gleichzeitig versprach er, die US-Regierung werde sich auch weiter um die Freilassung anderer zu Unrecht inhaftierter Amerikaner bemühen. Beim Gipfeltreffen in Genf hatte US-Präsident Biden noch sensibel auf die Nachfragen über den Gefangenenaustausch reagiert.  

(AFP)

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