Krieg in der Ukraine: Russland stoppt Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien
Publiziert

Krieg in der UkraineRussland stoppt Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien

Beide Länder weigern sich, russisches Gas in Rubel zu bezahlen. Während sich Polen auf der sicheren Seite glaubt, sieht es in Bulgarien schlechter aus. 

1 / 2
Wirtschaftliche Folgen für den Westen wie auch für Russland: Tankstelle des russischen Gaskonzerns Gazprom in Moskau. (Archivbild)

Wirtschaftliche Folgen für den Westen wie auch für Russland: Tankstelle des russischen Gaskonzerns Gazprom in Moskau. (Archivbild)

AFP/Kirill Kudryavtsev
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im März angekündigt, «unfreundliche» Abnehmer würden nicht mehr mit Gas beliefert, falls sie Gazprom nicht in Rubel bezahlen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im März angekündigt, «unfreundliche» Abnehmer würden nicht mehr mit Gas beliefert, falls sie Gazprom nicht in Rubel bezahlen.

AFP/Vladimir Astapkovich

Polen und Bulgarien müssen ab Mittwoch ohne russische Gaslieferungen auskommen. Der russische Gaskonzern Gazprom habe sie darüber informiert, dass die Lieferungen gestoppt würden, teilten die polnische und die bulgarische Regierung am Dienstag mit. Sollten weitere derartige Schritte gegen andere Länder folgen, könnte dies gravierende wirtschaftliche Folgen haben, insbesondere in Deutschland, das stark auf russische Gaslieferungen angewiesen ist. Allerdings würde sich Russland damit auch ins eigene Fleisch schneiden.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im März angekündigt, «unfreundliche» Abnehmer würden nicht mehr mit Gas beliefert, falls sie Gazprom nicht in Rubel bezahlen. Damit wollte er offenbar dem durch westliche Sanktionen ausgelösten Wertverfall des Rubels entgegenwirken. Westliche Staaten weigerten sich, dem nachzukommen, weil sie damit ihre eigenen Sanktionen unterlaufen würden. Außerdem verwiesen sie auf gültige Verträge. Etwa 60 Prozent der Gasverträge lauten in Euro, die übrigen in Dollar.

Vorerst keine Einschränkungen in Polen

Der staatliche polnische Gaskonzern PGNiG teilte mit, Gazprom habe ihn darüber informiert, dass das Unternehmen seine Lieferungen durch die Jamal-Pipeline am Mittwochmorgen einstellen werde. Grund sei die Weigerung Polens, die Lieferung, wie von Russland gefordert, in Rubel zu bezahlen.

Die Jamal-Pipeline verläuft über Belarus und versorgt neben Polen auch Deutschland. Nach Darstellung der Webseite des Europäischen Netzes der Fernleitungsnetzbetreiber ist der Gasdurchfluss an den Einspeisepunkten Kondrati in Ostpolen und Wysokaje in Belarus bereits drastisch zurückgegangen.

Polen erhält pro Jahr etwa neun Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland. Umweltministerin Anna Moskwa sagte, Polen sei auf die jetzige Situation vorbereitet. Ihr Land habe seit Jahren darauf hingearbeitet, von russischen Energielieferungen unabhängig zu werden und dies praktisch bereits geschafft. «Es wird keine Engpässe in polnischen Wohnungen geben», twitterte sie.

Die polnische Regierung hatte diese Woche bestätigt, sie werde die ukrainische Armee mit Panzern beliefern. Außerdem ist das Land ein wichtiger Transitstaat für Waffenlieferungen aus den USA und anderen westlichen Ländern in die Ukraine.

Ersatz aus Asien

Die bulgarische Regierung lehnte den russischen Vorschlag ab, das Gas in einem Prozedere aus zwei Schritten zu bezahlen. Dies verletze geltende Verträge und bedeute ein erhebliches Risiko für Bulgarien, argumentierte sie. Unter anderem bestehe die Gefahr, dass Bulgarien zahle, aber nicht beliefert werde. Gazprom habe schließlich mitgeteilt, dass die Lieferungen über die Turkstream-Pipeline am Mittwoch eingestellt würden. Man suche mit Hilfe staatlicher Unternehmen nach Alternativen zu russischen Lieferungen.

Bulgarien mit seinen rund 6,5 Millionen Einwohnern deckt mehr 90 Prozent seines Gasbedarfs aus russischen Importen. Die Regierung versicherte, fürs Erste werde es keine Beschränkungen bei der Gasversorgung von Privathaushalten geben. Das im Herbst ins Amt gekommene liberale Kabinett hat viele der traditionell engen Bande zu Russland gekappt und auch die russische Invasion in die Ukraine verurteilt. Bulgarien leistet humanitäre Hilfe für die Ukraine, zögert aber bei der Unterstützung mit Militärgütern. Ministerpräsident Kiril Petkow wollte am Mittwoch nach Kiew reisen und über weitere Hilfen sprechen. 

Die US-Regierung teilte mit, sie habe sich auf einen solchen Schritt Russlands vorbereitet. Unter anderem habe man Staaten in Asien um verstärkte Lieferungen nach Europa gebeten, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Die Bemühungen würden fortgesetzt.

(L´essentiel/DPA/chk)

Deine Meinung

0 Kommentare