Huren, Koks und «der Butler» – Saadi und die Londoner Sünden

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Huren, Koks und «der Butler»Saadi und die Londoner Sünden

Ein ehemaliger Bodyguard von Saadi Gaddafi erzählt von seinen Erlebnissen mit dem Diktatorensohn. Die Aussagen zeugen von einem bizarren Lebensstil.

Saadi Gaddafi mag Kokain und chinesische Callgirls. (Bild: Keystone/colourbox)

Saadi Gaddafi mag Kokain und chinesische Callgirls. (Bild: Keystone/colourbox)

Die Familie Gaddafi war vor der Zeit der Aufstände in Libyen nicht für ihre Bescheidenheit bekannt. Aber was über Saadi Gaddafi, Muammars drittältesten Sohn, nun bekannt wurde, ist selbst für deren Verhältnisse schockierend. Ein ehemaliger Bodyguard von Saadi packt in der englischen Zeitung «The Sun» aus.

Seine Aussagen beziehen sich auf Saadis London-Aufenthalt im Dezember 2010. Der englische Sicherheitsmann Stefan Bell sollte ihn zusammen mit seinen Kollegen während der Zeit beschützten. Er holte Saadi und seine Gefolgschaft - acht Freude, einen Leibarzt und weitere Assistenten – am Londoner Flughafen Stansted ab und begleitete sie zur 15-Millionen-Villa der Gaddafis im Stadtteil Hampstead.

Schwäche für chinesische Callgirls

«Das Haus war fantastisch», berichtet Bell. Im Innern sei alles nur von bester Qualität gewesen. Saadi habe sich aber über einen kleinen Defekt an der Stereoanlage derart aufgeregt, dass er gleich Leute schickte, um ein neues Haus ausfindig zu machen. «Man hätte den Defekt leicht beheben können, doch er wollte gleich eine neue Villa kaufen.»

Doch dies war erst der Anfang. In den kommenden fünf Wochen wurde der Brite Zeuge von weit eindrücklicheren Szenen. Saadi machte aus seiner Schwäche für Prostituierte keinen Hehl. «Er surfte stundenlang im Internet und suchte nach Prostituierten. Es mussten immer Chinesinnen sein», erzählt Bell. «Er zeigte mir oder meinen Kollegen das Bild und bestellte die Frauen per Telefon. Sie blieben immer über Nacht. Das kostete jedes Mal 1500 Pfund (1700 Euro).»

Oftmals schickte er die Frauen aber gleich nach deren Ankunft wieder weg, wenn ihm ihr Gesicht nicht gefiel. Die Sicherheitsleute speisten die Callgirls mit einem Trinkgeld ab. Die Frauen wurden wegen den verpassten Einnahmen sehr wütend.

Drogen, Schwulenpornos und «der Butler»

Auch für Drogen gab der Diktatorensohn ein Vermögen aus. «Er und seine Entourage rauchen sehr viel Gras, sie waren die meiste Zeit high», beschreibt der Bodyguard das Erlebte. Auch viel Kokain und große Mengen Wodka konsumierte Saadi. Manchmal liess er sich laut Bell eigens einen Barkeeper kommen, um ihm die Drinks zu mixen.

Aber im Zentrum der neuen Enthüllungen um Saadi Gaddafis bizarres Leben steht eine Person namens «der Butler». Der etwa 18-jährige Junge wurde oftmals nachts zu Saadi ins Zimmer gerufen. «Später in der Nacht kam Saadi dann schweissgebadet und nur mit einem Handtuch bekleidet aus dem Zimmer», berichtet Bell.

Über Saadis Homosexualität wird in Libyen seit Jahren spekuliert. Nach der Einnahme von Tripolis haben Rebellen Schwulenpornos in einer Gaddafi-Villa gefunden. Und auch der englische Bodyguard hat Ähnliches zu erzählen. «Vor der Abreise nach Tripolis hat Saadi einen Freund geschickt, um Porno-Filme einkaufen zu gehen. Er brachte hunderte Filme mit homosexuellem Material mit.»

«Shawarma!»

Saadis Lieblingsspeise war eine Art libyscher Kebab namens Shawarma. Immer wieder habe Saadi danach verlangt: «Es konnte mitten in der Nacht sein, das war ihm egal. Er hat dann einfach in seinem Bett gelegen und ‹Shawarma!› gerufen und jemand musste ihm das Essen besorgen. Nur dieses Wort, kein Bitte oder Danke», so Bell. Man habe sich ihn nicht als Staatsmann oder Vertreter der libyschen Regierung vorstellen können.

Saadi, der einmal in einem Jahr 200 Millionen Dollar mit Flugzeugen, Autos, Kleidern, Schmuck und Frauen ausgegeben haben soll, hat sich auch sonst nicht zurückgehalten. Seine Londoner Einkauftouren waren selten günstiger als 100 000 Dollar. Und wenn die Kreditkarte überzogen war, rief Saadi in der britischen Botschaft an und liess sich Geld überweisen.

Dankbarkeit durfte man vom ehemaligen Fussballprofi Saadi keine erwarten. Als er nach den fünf Wochen in London wieder nach Tripolis aufbrach, erlebte Bodyguard Bell seine letzte Enttäuschung. «Wir brachten ihn zum Flughafen zu seinem Privatjet. Obwohl ich so vertraut mit ihm über fünf Wochen gearbeitet habe, hatte er nicht einmal die Höflichkeit, auf Wiedersehen zu sagen.»

(L'essentiel online/aeg)

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