Kachelmann-Prozess – Sabine W. und «der Soziopath von nebenan»

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Kachelmann-ProzessSabine W. und «der Soziopath von nebenan»

Ein Buch hat im Kachelmann-Prozess für Furore gesorgt: Sabine W. versteckte sich hinter einem Werk über Soziopahten. Ein deutliches Zeichen - wie sich im Verlauf der Befragung bestätigte.

Pünktlich um 8.37 Uhr biegt der BMW von Rechtsanwalt Thomas Franz vor das Landgericht Mannheim: auf dem Beifahrersitz Sabine W. Die 37-Jährige versteckt sich von den Fotografen hinter einem Buch - «Der Soziopath von neben an». Ein Buch über «Die Skrupellosen: ihre Lügen, Taktiken und Tricks», wie der Untertitel verrät. Ein eindeutiges Zeichen der Hauptbelastungszeugin im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann.

Im Buch geht es um die Identifizierung von Sozipathen: «Wer ist der Teufel? Ihr Ex-Mann, der Sie belogen und betrogen hat? Ihr sadistischer Lehrer? [...] Bei dieser Lektüre werden Sie feststellen, dass Ihr Ex ein Soziopath ist», verspricht ein Werbetext im Internet. Geschrieben hat es eine Psychologin an der Harvard-Universität, die zeigt, «dass erschreckende vier Prozent – einer von 25 – eine oft unerkannte Persönlichkeitsstörung aufweisen, deren wichtigstes Symptom ein fehlendes Gewissen ist. Soziopathen empfinden weder Scham, Schuld noch Reue.»

«Sabine W. sieht sehr angespannt aus»

Ist Sabine W. tatsächlich auf der Suche nach Antworten – oder ist es ein wirksames Zeichen für die Öffentlichkeit? Sicher ist: Sie hat sich am Montag zum dritten Mal im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann vor den Richtern erhoben und ihre Zeugenaussage fortgesetzt. Sie wurde vergangene Woche bereits rund zehn Stunden lang über ihre Person und den angeblichen Tathergang befragt. Nun geht in die entscheidende Phase und es wird ein Frage-Marathon für Sabine W.: Sie wird von den drei Richtern, dem Staatsanwalt, drei Kachelmann-Verteidigern sowie neun Gutachtern ins Kreuzverhör genommen.

(L'essentiel online mit amc)

Sabine W. beschriebt in drei Einvernahmen die mutmassliche Tatnacht, wie folgt: Um 23 Uhr kommt Kachelmann. Er klingelt, sie macht auf, sie küssen sich, aber Sex haben sie keinen. Er ist später dran als erwartet, deshalb essen sie erst mal. Danach konfrontiert sie ihn mit den Tickets: ‚Stimmt das?’, will sie wissen. ‚Hast du mit ihr geschlafen?’ Er leugnet alles: Spricht von gefälschten Tickets, will die Lufthansa anrufen und möchte Zeit – 24 Stunden. Sie aber bleibt hart. Schliesslich gesteht er: Manchmal lege sich bei ihm ein Schalter um, dann nimmt er sich Frauen – für ein paar Wochen, ein paar Monate. Nur bei ihr sei es anders, sie habe er nicht benutzt. Sie will wissen, wie viele es waren. Kachelmann schweigt. Sie sagt, er solle gehen. Er aber bleibt sitzen, starrt sie an, sein Blick verändert sich, in den nur noch Hass, wie Simone W. sagt. Dann kommt es zur Vergewaltigung: Er geht in die Küche, nimmt sich ein Messer, packt sie an denen Haaren, legt ihr das Messer an den Hals und zerrt sie ins Schlafzimmer. Er kniet auf ihre Oberschenkel und dringt in sie ein. Als es vorbei ist, geht er ins Bad und verschwindet anschliessend. Er werde sie töten, lässt er sie wissen, falls sie einer Menschenseele davon erzählt. Gemäss «Focus» hat Sabine W. ausgesagt, sie habe ihre Tage gehabt. Jörg Kachelmann habe ihr den Tampon entfernt und sie dann vergewaltigt. Der Wettermoderator bestreitet diese Version: In seiner einzigen Aussage zur Tatnacht gab Kachelmann an, dass es zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr kam und zu einer «normalen und emotionsarmen» Trennung.

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