Vor 25 Jahren – Säure gegen Rembrandts «Nachtwache»

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Vor 25 JahrenSäure gegen Rembrandts «Nachtwache»

Rembrandts «Nachtwache» im Amsterdamer Reichsmuseum begeistert Millionen. Doch dreimal schon war es Ziel von Attentätern. Anderen Kunstwerken erging es nicht besser.

Die «Nachtwache» ist wohl Rembrandts berühmtestes Werk.

Die «Nachtwache» ist wohl Rembrandts berühmtestes Werk.

DPA/epa anp ed Oudenaarden

Amsterdam, 6. April 1990. Es ist Freitagvormittag. Ein junger Mann besucht das Reichsmuseum. Vor der «Nachtwache» zieht er plötzlich eine Sprühdose aus der Tasche und spritzt Schwefelsäure auf das monumentale Gemälde von Rembrandt. Blitzschnell eilt ein Museumswärter hinzu, schüttet demineralisiertes Wasser auf die Stelle. Er wird zum Helden: Die Säure wird so neutralisiert. Großer Schaden ist verhindert.

Der Anschlag auf Rembrandts berühmtestes Gemälde vor 25 Jahren löste dennoch weltweit einen Schock aus. Wer tut so etwas? Wer will das Schöne zerstören? Die Geschichte des Kunstvandalismus zeigt, dass die Täter entweder politische Motive haben, eine extreme Form der Kunstkritik äußern wollen oder aber eine psychische Erkrankung haben. Das war 1990 der Fall. Der Täter, ein 31-jähriger Niederländer, war geistig verwirrt, so stellte sich später heraus.

Unschätzbarer Wert

So ein Anschlag ist der Alptraum aller Museen und deckt ihr großes Dilemma auf. Einerseits wollen sie ihre wunderbaren großen Kulturschätze möglichst vielen Menschen zeigen. Doch auf der anderen Seite müssen sie gerade diese Werke schützen. Das gilt für Leonardo da Vincis «Mona Lisa» ebenso wie für die «Sonnenblumen» von Vincent van Goghoder «Die Nachtwache».

Rembrandts Meisterwerk aus dem Jahre 1642 hat einen unschätzbaren Wert. Es ist schlicht unersetzlich. Über seinen künstlerischen und kunsthistorischen Wert hinaus hat es zudem noch eine symbolische Bedeutung: Es ist der Schatz der Niederlande.

Berühmte Kunstwerke werden immer wieder Ziel von Anschlägen. Eine Auswahl:

August 2009: Eine Frau bewirft die «Mona Lisa» im Pariser Louvre mit einer Tasse. Das Porzellan zerbricht am Panzerglas, ohne Schaden anzurichten. Das berühmteste Gemälde Leonardo da Vincis war mehrfach Ziel von Angriffen. 1957 wurde es durch einen Steinwurf beschädigt.

Juni 2006: Bei einem Säureanschlag im Amsterdamer Reichsmuseum wird das Bild «Schützenmahlzeit zur Feier des Friedens von Münster» von Bartholomeus van der Helst leicht beschädigt.

September 2004: Auf der Flick-Ausstellung in Berlin werden zwei Installationen von Gordon Matta-Clark zerstört. Eine Besucherin springt so lange auf den Skulpturen herum, bis diese zerbrechen.

November 1997: Im Stedelijk-Museum in Amsterdam zerschneidet ein Mann das Gemälde «Cathedra» von Barnett Newman mit einem Messer.

April 1988: In der Münchener Alten Pinakothek werden drei Dürer-Werke durch Säure beschädigt. Täter ist ein 1979 zu fünf Jahren Haft verurteilter Mann, der in seinem Leben 56 Kunstwerke mit Säure übergoss. Von März bis Oktober 1977 beschädigte er unter anderem den «Goldenen Fisch» von Paul Klee in der Hamburger Kunsthalle, zwei Gemälde von Lucas Cranach im niedersächsischen Landesmuseum Hannover, das Rubens-Werk «Erzherzog Albrecht» im Kunstmuseum Düsseldorf sowie drei Rembrandt-Gemälde im Kasseler Schloss Wilhelmshöhe.

Juni 1985: Das Rembrandt-Gemälde «Danae» wird im Eremitage-Museum in Leningrad (heute St. Petersburg) durch Säure weitgehend zerstört.

Juni 1985: Das «Bildnis des spanischen Königs Philipp IV» von Rubens wird im Kunsthaus von Zürich bei einem Brandanschlag zerstört.

April 1982: Ein Mann schlägt in der Neuen Nationalgalerie in Berlin auf das Gemälde «Who's Afraid of Red, Yellow and Blue» des US-Künstlers Barnett Newman ein.

März 1982: «Aufgehende Sonne im Dunst» von William Turner und «Vermählung von Isaak und Rebekka» von Claude Lorrain werden in der National Gallery in London mit einem Messer zerschlitzt.

(L'essentiel/dpa)

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