Opferzahlen USA – Sandy hat fast 100 Leben auf dem Gewissen

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Opferzahlen USASandy hat fast 100 Leben auf dem Gewissen

Nach dem Monstersturm Sandy werden an der US-Ostküste immer noch Leichen geborgen. Die Zahl der Toten ist schon auf 98 gestiegen, 40 davon alleine in New York.

An der US-Ostküste ist die Zahl der Todesopfer des Hurrikans Sandy weiter gestiegen. Bis Donnerstag wurden nach offiziellen Angaben 98 Leichen geborgen, darunter 40 in New York.

Allein im New Yorker Stadtteil Staten Island, der am Montag von einer Flutwelle überrollt worden war, kamen 20 Menschen ums Leben. Heimatschutzministerin Janet Napolitano wollte Staten Island am Freitag besuchen. Dort sind Klagen von Einwohnern laut geworden, der gegenüber Manhattan liegende Bezirk sei von der Politik vergessen worden.

In den weiterhin von der Stromversorgung abgeschnittenen Vierteln New Yorks wurde zudem eine fehlende Polizeipräsenz kritisiert. Einwohner äußerten sich besorgt über die Sicherheit auf den Straßen und in den U-Bahnen.

Auf den Straßen Manhattans patrouillieren Mitglieder der Guardian Angels, einer Freiwilligentruppe, die sich den Kampf gegen die Kriminalität zum Ziel gesetzt hat.

Mit weiteren Opfern wird gerechnet

Laut Bürgermeister Michael Bloomberg ist mit weiteren Opfern zu rechnen. Polizisten und Feuerwehrleute seien noch immer dabei, in den besonders betroffenen Gebieten von Haus zu Haus und von Tür zu Tür zu gehen, um nach Hilfsbedürftigen oder möglichen Opfern zu suchen, sagte Bloomberg.

Etwa 650'000 Bewohner der Metropole waren weiterhin ohne Strom. Der Stromanbieter Con Edison warnte, in einigen Stadtvierteln werde die Stromversorgung erst am 11. November wiederhergestellt sein. Der Süden von Manhattan soll bis Samstag wieder am Netz sein. Im benachbarten Bundesstaat New Jersey mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern ist noch fast ein Viertel der Menschen ohne Strom.

New Yorker werden langsam stinksauer

Die Bewohner New Yorks werden langsam ungeduldig. Nach Tagen ohne Strom, fließendes Wasser und Heizung verlassen viele Bewohner die Stadt. Vor einer Arena in Brooklyn standen teilweise bis zu 1000 Menschen und warteten auf einen Bus, an einer Tankstelle in Coney Island warteten mehr als 100 Wagen auf eine Tankfüllung. Immer wieder kam es zu Streit und Handgreiflichkeiten.

An Brücken nach Manhattan kontrollierten Polizisten, ob auch tatsächlich jeder Wagen wie angeordnet mindestens drei Insassen hatte. Die Kontrolle, die eigentlich Staus verhinderten sollte, führte zu kilometerlangen Schlangen. Einige der Autofahrer stiegen aus und beschimpften die Polizisten.

Warme Mahlzeiten

Nationalgardisten und Freiwillige begannen mit der Verteilung von Nahrungsmitteln an Bedürftige. Der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, berichtete, rund eine Million Mahlzeiten sollten in New York City verteilt werden. Das Rote Kreuz stellte zwölf Feldküchen bereit, die 200'000 warme Mahlzeiten pro Tag servieren können.

Das US Transportation Command, das normalerweise für Truppentransporte und die Versorgung von Kampftruppen zuständig ist, schickte 55 Lastwagen mit 1,5 Millionen Mahlzeiten nach New York. 1,3 Millionen zusätzliche Rationen stünden für den Bedarfsfall bereit, hieß es.

In New Jersey entwickelte sich die Suche nach Benzin für die Bewohner zum Albtraum. Vor den wenigen geöffneten Tankstellen bildeten sich lange Schlangen von Autos sowie von Fußgängern, die Treibstoff für ihre Generatoren holen wollten.

(L'essentiel Online/sda)

New Yorks Bürgermeister Bloomberg macht sich für Obama stark

Der parteilose New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hat am Donnerstag zur Wiederwahl von Präsident Barack Obama aufgerufen. Der Amtsinhaber würde im Kampf gegen den Klimawandel eine Führungsrolle übernehmen, erklärte der ehemalige Republikaner.

Dies sei nach den Verwüstungen durch Megasturm Sandy eine besonders wichtige Aufgabe für den neuen Präsidenten. «Unser Klima wandelt sich», schrieb der Bürgermeister in einem Meinungsartikel für den von ihm gegründeten Finanznachrichtenanbieter Bloomberg. Extreme Wetterlagen könnten die Folge sein. Daher müsse sofort gehandelt werden.

Er verwies dabei auf die massiven Schäden, die der Sturm Sandy entlang der US-Ostküste angerichtet hatte. Obama habe wichtige Schritte in diese Richtung unternommen, während sein Herausforderer Mitt Romney von früheren Positionen zur Bekämpfung des Klimawandels abgerückt sei, stellte Bloomberg fest. Auch bei anderen Themen habe Romney seine Haltung geändert.

Doch Bloomberg äußerte an Obama auch deutliche Kritik. Während seiner Präsidentschaft habe Obama sich nicht genügend um eine Koalition der Mitte bemüht, bemängelte er.

Damit sei jede Hoffnung auf echten Fortschritt beim Problem illegaler Waffen, Einwanderung, einer Steuerreform, der Schaffung von Arbeitsplätzen oder der Reduzierung des Haushaltsdefizits zum Scheitern verurteilt gewesen.

Obama bedankte sich dennoch für die Wahlempfehlung - sind doch nach wie vor zahlreiche Amerikaner unentschieden, wem sie am Dienstag ihre Stimme geben wollen. Umfragen zufolge liegen Obama und Romney nahezu gleichauf.

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