Binge-Drinking in Luxemburg – Saufen bis der Arzt kommt
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Binge-Drinking in LuxemburgSaufen bis der Arzt kommt

LUXEMBURG - Silvester wird gefeiert, geböllert und «gesoffen bis der Arzt kommt»: So sehen es zumindest viele Jugendliche, die ihr Fest schon weit vor Mitternacht einläuten werden.

48 Prozent der 11-15- jährigen luxemburgischen Jugendlichen geben an, im Alter von 13 Jahren oder jünger zum ersten Mal Alkohol konsumiert zu haben.

48 Prozent der 11-15- jährigen luxemburgischen Jugendlichen geben an, im Alter von 13 Jahren oder jünger zum ersten Mal Alkohol konsumiert zu haben.

dpa

Binge-Drinking, in der Umgangssprache schlicht «Komasaufen» genannt, beunruhigt nicht nur Eltern. L’essentiel Online hat sich über die Verbreitung des Phänomens in Luxemburg mit Silke Christmann, Leiterin der Abteilung für Präventiv- und Sozialmedizin des Luxemburger Gesundheitsministeriums, ausgetauscht.

Keine spezifische Studie über Luxemburg

«In der im Jahr 2005/06 durchgeführten HBSC-Studie der WHO gaben 48 Prozent der 11-15- jährigen luxemburgischen Jugendlichen an, im Alter von 13 Jahren oder jünger zum ersten Mal Alkohol konsumiert zu haben.» Die Zahlen, auf die Silke Christmann auf Anfrage von L’essentiel Online verweisen kann, stehen kurz vor der Verjährung, besonders wenn man berücksichtigt, dass sie einen Jugendtrend begleiten sollen. «Derzeit existieren keine übergreifenden Studien zur spezifischen Verbreitung des Binge-Drinking unter Jugendlichen in Luxemburg», bedauert dann auch Christmann.

Anstieg bei weiblichen Jugendlichen

Vor fünf Jahren gaben sechs Prozent der 13-jährigen Mädchen und neun Prozent der Jungen an, einmal in der Woche Alkohol zu trinken, bei den 15-Jährigen erreichten diese Werte 19 Prozent für die Mädchen und 30 Prozent für die Jungen. 2010 stellt Christmann eine beunruhigende Tendenz fest: «Binge-Drinking wird zum größten Teil von männlichen Jugendlichen praktiziert, im Laufe der letzten Jahre ist jedoch auch ein Anstieg bei weiblichen Jugendlichen zu beobachten.»

Alarmierende Zahlen in Deutschland

In Deutschland, so Daten des Statistischen Bundesamtes, mussten 2009 rund 26 000 junge Patienten in einer Klinik ausgenüchtert werden, 600 mehr als 2008. Im Vergleich zu 2003 haben aber die Jüngeren und auch die Mädchen überproportional zugelegt.

«Die aktuellen Zahlen sind alarmierend», meint der DAK-Krankenkassen-Landeschef in Rheinland-Pfalz, Michael Hübner. «Wir müssen das Thema dringend auf den Stundenplan setzen.» Silke Christmann zieht ein ähnliches Fazit. «Es kann davon ausgegangen werden, dass die beobachteten Tendenzen in den Nachbarländern auch für Luxemburg zutreffen.»

Prävention in Schulen aber auch für Erwachsene

Den Sekundarschulen steht ein interaktiver Suchtpräventionsparcours «ExtratourSucht Letzebuerg» zur Verfügung, der zur inhaltlichen und persönlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum anregen will und einen verantwortungsbewussten Umgang mit legalen Suchtmitteln fördern soll. Auch die mehrjährige Kooperationsinitiative «Keen Alkohol enner 16 Joer- Mir halen eis drunn» zielt darauf ab, Jugendliche von Alkohol fern zu halten.

Silke Christmann warnt jedoch davor, übermäßigen Alkoholkonsum wegen des Binge-Drinkings als Jugendphänomen zu betrachten: « Große Teile der Gesellschaft quer durch alle sozialen Schichten sind davon betroffen. Schätzungsweise fünf Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen weisen in Luxemburg eine Alkoholabhängigkeit auf.»

cm / L’essentiel Online

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