Streitbares Sponsoring – Schachverband Fide wirbt mit Brust-Implantaten
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Streitbares SponsoringSchachverband Fide wirbt mit Brust-Implantaten

Wichtiger Deal oder eher schwach für Schach? Der Weltverband Fide hat für den Frauenbereich einen Sponsor-Deal an Land gezogen, der für Wirbel sorgt.

«Für mich als Frau war es sehr wichtig, dass ich von Motiva nur Respekt für Frauen und Schach gespürt habe», sagt Fide-Geschäftsführerin Dana Reizniece-Ozola.

«Für mich als Frau war es sehr wichtig, dass ich von Motiva nur Respekt für Frauen und Schach gespürt habe», sagt Fide-Geschäftsführerin Dana Reizniece-Ozola.

AFP/Herbert Neubauer

Die Firma «Motiva» ist nun Partner des Schach-Weltverbands Fide. Konkret soll die Firma speziell den Frauen-Bereich des Brettsports unterstützen. Problem: Bei der Firma handelt es sich um ein Unternehmen, das mit Brust-Vergrößerungen seine Einnahmen generiert. Geschäftsführer Juan Jose Chacon meint zur «Bild»-Zeitung: «Unser Sponsoring des Frauen-Schachs unterstreicht unser zentrales Engagement für den Respekt und die Förderung selbstbewusster und unabhängiger Frauen.» Mit dem Sponsor-Deal soll vor allem für Brust-Operationen für Krebspatientinnen geworben werden.

Doch das kommt nicht überall gut an. «The Guardian» zitiert eine prominente Spielerin, die anonym bleiben will: «Ich finde es erniedrigend und demütigend, dass eine Aktivität wie Schach, die so kognitiv ist, von einem Unternehmen gesponsert wird, das in erster Linie von der Unsicherheit der Frauen profitiert. Ich bezweifle sehr, dass die Fide ein Unternehmen, das Penisvergrößerungen anbietet, zum Sponsor der Weltmeisterschaft der Männer machen würde.»

«Wir brauchen dringend einen Sponsor»

Eine andere meint: «Ich habe bereits online Kommentare von Leuten gesehen, die sagten, dass sie hoffen, dass die Preise für Frauenwettbewerbe jetzt Brustvergrößerungen beinhalten. Ich habe Witze gesehen, in denen die Namen bestimmter Spitzenspielerinnen genannt wurden, deren Aussehen so verbessert werden könnte. Das Schachspiel hat in der Vergangenheit mit Sexismus zu kämpfen gehabt. Doch das hat nichts dazu beigetragen, das jetzt zu verhindern.»

In der Diskussion gibt es auch positive Stimmen. Zum Beispiel die Norwegerin Sheila Barth Stanford, aktuell auf Platz 12.083 der Weltrangliste. «Wir brauchen dringend einen Sponsor», meint sie. «Wir spielen für weniger Geld als die Männer, was es schwieriger macht, voll auf Schach zu setzen. Ich hoffe, dass es dadurch nun für Frauen einfacher wird, professionell zu spielen.»

Die Probleme für Frauen im Schach sind augenscheinlich. Von mehr als 1600 Großmeistern sind nur 39 weiblich. Fide-Geschäftsführerin Dana Reizniece-Ozola meint zur «Bild»: «Für mich als Frau war es sehr wichtig, dass ich in jeder Kommunikation mit Motiva oder von Motiva nur Respekt für Frauen und Schach gespürt habe. Wir als Weltverband unterstützen insbesondere ihre Forschungsaktivitäten für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen. Ich bin froh, dass es unseren Marketing-Kollegen gelungen ist, einen Sponsor zu gewinnen, der es uns ermöglicht, die Preise bei Frauenveranstaltungen zu erhöhen und das Frauen-Schach im Allgemeinen zu fördern.»

(L'essentiel/Anamaria Peyer/heute.at)

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