Instagram-Account gelöscht: Schauspieler Lars Eidinger gesteht, er war süchtig nach Social Media
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Instagram-Account gelöschtSchauspieler Lars Eidinger gesteht, er war süchtig nach Social Media

Er hat sich auf Instagram verloren: Tatort-Schauspieler Lars Eidinger gibt zu, dass er abhängig von Social Media war. Experten und Plattformbetreiber versuchen über diese düstere Seite des Netzwerkens im Internet zu informieren und sprechen Empfehlungen aus.

Lars Eidinger, hier an den Filmfestspielen in Cannes, hat sich von Social Media verabschiedet.

Lars Eidinger, hier an den Filmfestspielen in Cannes, hat sich von Social Media verabschiedet.

AFP/Loic Venance

Er sei «wirklich schwer abhängig» gewesen: Der deutsche Schauspieler und Tatort-Darsteller Lars Eidinger hat seinen Instagram-Account gelöscht. Wenn er sich einsam fühlte, hätte er bis zu elf Stunden in den Bildschirm seines Smartphones gestarrt, erzählt er gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Sein sechs Jahre alter Feed war zuvor gefüllt mit spontanen Fotografien aus dem Alltag, wie sie auch schon in einer Ausstellung mit dem Namen «Klasse Gesellschaft» in der Hamburger Kunsthalle ausgestellt wurden. Bis jetzt. Nun hat er es gemacht, wie mit den Zigaretten: Er habe einfach aufgehört und die App entfernt, sagt er und rät das auch anderen, denen es ähnlich ergeht. Ob er durchhält, weiß er nicht.

Dissoziation ist Teil der sozialen Medien

Die Aufenthalte auf Social Media können Freude bereiten, wenn Menschen kreativ werden und sich miteinander vernetzen. Auf Plattformen aktiv zu sein und sich beispielsweise mit negativen Kommentaren, verklärten Schönheitsidealen oder langen Bildschirmzeiten auseinanderzusetzen, kann aber auch Folgen für die mentale Gesundheit haben. Lars Eidinger empfindet Social Media als «anti-sozial» und sagt, es vergifte die Gesellschaft. 

Das Gefühl, sinnlos herum zu scrollen und sich auf Social Media zu verlieren, ist keineswegs ungewöhnlich. Die sogenannte Dissoziation gehe mit einer verminderten Wahrnehmung der Handlungsfähigkeit einher und habe mit der gezielten Konzipierung der Apps zu tun, betonen Amerikanische Forscher. Die Apps seien dazu ausgelegt, Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf der Seite zu halten. Dazu kommt, dass das Konsumieren von Social-Media-Inhalten viele kurzzeitige Belohnungen für das Gehirn darstellt. Erwachsene Durchschnittsnutzer verbringen die meiste Zeit  auf Tiktok, wie US-Umfragenbetreiber Emarketer kürzlich herausfand: 45,8 Minuten täglich. Damit hat die Social-Media-App den bisherigen Spitzenreiter Youtube überholt.

Was tun?

Die Forscher fanden heraus, dass es eine Hilfe ist, wenn das Smartphone oder die App selbst auf die erreichte Nutzungsdauer aufmerksam machen und empfehlen, es wegzulegen. Außerdem könne ein listenbasiertes Organisieren von Inhalten dabei unterstützen, nur das anzuschauen, was für einen wirklich relevant ist. Laut dem Later Blog, der Gesundheitstipps von Social-Media-Managern auflistet, sei es wichtig, seine Zeit zu organisieren und sich an selbst gesetzte Grenzen zu halten. Wenn die Zeit abgelaufen ist, können Beschäftigungen an der frischen Luft, mit Freunden oder das Nachgehen eines Hobbies dazu da sein, an einem anderen Ort als online, abzuschalten.

App-Betreiber werden zur Verantwortung gezogen

Plattformbetreiber sind sich den Abgründen, die sich direkt neben «Gefällt mir»- und Herzchenbuttons auftun, bewusst und versuchen, offen mit der Thematik umzugehen. Sie stehen auch unter dem Druck der Öffentlichkeit, die mentale Gesundheit von Nutzerinnen und Nutzern bei Entwicklungsprozessen verstärkt mitzubedenken. Tiktok hat dazu Hashtags wie #letstalkmentalhealth oder ermutigende Accounts wie etwa von Micheline Maalouf oder Hunter Prosper gefördert, um die Konversation zu begünstigen. Es gibt auch einen eigenen Ratgeber, der Nutzerinnen und Nutzer in ihrem App-Verhalten unterstützen soll.

Üblich ist auch, dass konzerninterne Erhebungen zu solchen Themen gemacht werden. Meta, der Mutter von Facebook und Instagram, wurde bei einem solchen Fall zuvor vorgeworfen, die Ergebnisse heruntergespielt zu haben. Instagram befasst sich weniger mit der Bildschirmzeit, sondern mehr mit den Gefahren, die soziale Vergleiche mit sich bringen. Auf Instagram kann anonym gemeldet werden, wenn bei einem Account Verdacht auf psychische Labilität besteht. Meta meldet sich dann bei der entsprechenden Person und bietet Unterstützung an. Zum Stichwort «Screen time» wurde im konzerneigenen Blog seit 2018 kein neuer Eintrag erstellt. Zur endgültigen Löschung der Apps raten die App-Betreiber nicht.

(L´essentiel/Jana Rutarux)

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