Skandal in Bastogne – Schmiergeld für gefälschte Fleisch-Etiketten?

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Skandal in BastogneSchmiergeld für gefälschte Fleisch-Etiketten?

LUXEMBURG/BASTOGNE – Delhaize nimmt alle Produkte von Veviba aus dem Regal. In dem Skandal-Betrieb habe ein «System des Schweigens» geherrscht, sagt ein Gewerkschafter.

Der Fleischskandal in Bastogne zieht weite Kreise in Belgien.

Der Fleischskandal in Bastogne zieht weite Kreise in Belgien.

Die Supermarktkette Delhaize Luxemburg stellt mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit dem belgischen Fleischproduzenten Veviba ein. Betroffen von dem Lieferstopp sind die Firmen Veviba in Bastogne, Adriaens in Zottegem, Lanciers in Rochefort und Verbist in Izegem. Delhaize sprach in einem Communiqué von einem «totalen und irreparablen Vertrauensbruch».

Belgische Behörden hatten bekanntlich im Schlachtereibetrieb Veviba in Bastogne «schwerwiegende Verstöße» festgestellt. Unter anderem waren Verpackungsdaten gefälscht und Fleischabfälle in der Produktion verwendet worden. Ein Gewerkschafter sagte dem Sender TV Lux: «Die Angestellten mussten bei den Haltbarkeitsdaten tricksen, um ja nichts zu verschwenden. Sobald ein Produkt sich seinem Ablaufdatum annäherte, wurden neue Etiketten gedruckt und das Produkt mit einem längeren Haltbarkeitsdatum neu verpackt.»

Schweigegelübde in der Belegschaft

In dem Betrieb habe seit Jahren ein Schweigegebot («Omertà») geherrscht, sagte der Vertreter der Confédération des syndicats chrétiens (CSC). Angestellte sollen zum Teil mit Geld in Briefumschlägen zum Stillhalten bewegt worden sein.

Die Anbieter Cactus, Helhaize, Auchan und Colruyt nahmen nach Bekanntwerden der Vorwürfe rund 300 Veviba-Produkte aus den Regalen, darunter Erzeugnisse aus Rind, Schwein, Lamm sowie Würstchen.

Rückrufaktion für Hackfleisch und Ochsenschwanz

«Delhaize geht bei der Lebensmittelsicherheit keine Kompromisse ein und duldet keine Verstöße», heißt es weiter. Produkte der Veviba-Gruppe würden in den 50 Filialen im Großherzogtum nicht mehr verkauft. Der Supermarkt führe derzeit Gespräche mit anderen Lieferanten und werde sich darum bemühen, weiter frische Produkte aus der Region anzubieten.

Die luxemburgische Regierung teilte am Freitag mit, mit den Behörden in Belgien bezüglich des Betrugsfalls im Schlachthof in Bastogne in Kontakt zu stehen. In Luxemburg wurden hauptsächlich Ochsenschwanz und Rinderhackfleisch aus diesem Betrieb verkauft. Alle diese Produkte seien aus dem Verkehr gezogen worden. Kunden können die betroffenen Artikel auch in den Supermarkt zurückbringen. Mehr Informationen unter ma.public.lu

(fl/L'essentiel)

Match und Smatch nicht betroffen

Die Supermärkte Match und Smatch sind vom Fleischskandal bei Veviba nicht betroffen. «Wir arbeiten mit dieser Firma nicht zusammen. Wir verkaufen Produkte luxemburgischer Herkunft», sagt Jean-François Leuwers, Verantwortlicher für Qualität und Lebensmittelsicherheit. «Unsere Lieferanten sind der Schlachthof Ettelbrück und die Firma Cobolux.»

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