Alkoholkonsum: «Schon die geringste Menge ist gefährlich» – Kanada erlässt Null-Alkohol-Richtlinie

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Alkoholkonsum«Schon die geringste Menge ist gefährlich» – Kanada erlässt Null-Alkohol-Richtlinie

Die kanadische Regierung hat neue Richtlinien zum Alkoholkonsum veröffentlicht. Die Regel ist klar: Die Bevölkerung soll komplett auf Drinks verzichten.

von
Samira Kunz
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Finger weg vom Bier! Laut der neuen Empfehlung des kanadischen Gesundheitsministeriums soll die Bevölkerung komplett auf Alkohol verzichten.

Finger weg vom Bier! Laut der neuen Empfehlung des kanadischen Gesundheitsministeriums soll die Bevölkerung komplett auf Alkohol verzichten.

IMAGO/Frank Sorge
«Wenn Sie überhaupt trinken müssen, gelten maximal zwei Drinks pro Woche als risikoarm», heißt es in den neuen Alkoholrichtlinien.

«Wenn Sie überhaupt trinken müssen, gelten maximal zwei Drinks pro Woche als risikoarm», heißt es in den neuen Alkoholrichtlinien.

imago images/Geisser
Damit geht Kanada drastisch gegen den Alkoholkonsum vor. Die neue Richtlinie ersetzt diejenige aus dem Jahr 2011, damals hatte das Gesundheitsministerium zehn Drinks pro Woche für Frauen und 15 Drinks für Männer erlaubt.

Damit geht Kanada drastisch gegen den Alkoholkonsum vor. Die neue Richtlinie ersetzt diejenige aus dem Jahr 2011, damals hatte das Gesundheitsministerium zehn Drinks pro Woche für Frauen und 15 Drinks für Männer erlaubt.

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Alkohol ist heutzutage normalisiert, Trinken gilt als weitgehend gesellschaftsfähig. Nun dreht die kanadische Regierung der Bevölkerung aber den Hahn ab: In einem neuen Bericht des Gesundheitsministeriums wird den Menschen empfohlen, komplett auf Alkohol zu verzichten. «Wenn Sie überhaupt trinken müssen, gelten maximal zwei Drinks pro Woche als risikoarm», heißt es in den neuen Alkoholrichtlinien.

Damit geht Kanada drastisch gegen den Alkoholkonsum vor. Noch vor zwölf Jahren hatte das Gesundheitsministerium nicht mehr als zehn Drinks pro Woche für Frauen und 15 Drinks für Männer empfohlen. Doch seit kurzem ist Erin Hobin, leitende Wissenschaftlerin bei Public Health Ontario, Mitglied des Expertengremiums, das die aktuellen Leitlinien erarbeitet hat. Hobin leitete 2017 eine besondere Studie zu Krebs in Bezug zu Alkoholkonsum und sie behauptet: «Schon die geringste Menge Alkohol ist schlecht für die Gesundheit.»

Für die Kanadier und Kanadierinnen könnte diese Botschaft «ein bisschen schockierend» daherkommen, meint Hobin, doch «bei drei Standardgetränken pro Woche steigt bereits das Risiko für Kopf- und Halskrebs um 15 Prozent und mit jedem weiteren Drink nimmt es noch mehr zu», warnt die Forscherin. Die Änderung in den Richtlinien sei das Ergebnis besserer Forschung in den letzten Jahren.

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Die 90-seitige Studie spricht von «Standardgetränken». Jedes davon entspricht 341 Milliliter Bier mit fünf Prozent Alkoholgehalt oder 142 Milliliter Wein mit zwölf Prozent Alkoholgehalt. Der Konsum von mehr als zwei Standardgetränken erhöhe die Gefahr, an Brust- oder Darmkrebs zu erkranken. Kanadischen Experten und Expertinnen zufolge sollte sogar an den Etiketten von Alkoholgetränken eine Krebswarnung angebracht werden.

Die Null-Alkohol-Regel macht Kanada zum Außenseiter, betrachtet man die Richtlinien in anderen westlichen Ländern. So empfehlen etwa die USA nicht mehr als zwei Drinks pro Tag für Männer und einen für Frauen. 

Die Franzosen und die Australier dürfen sich maximal zehn Standardgetränke pro Woche gönnen, während das britische Gesundheitsministerium der Bevölkerung empfiehlt, nicht mehr als 14 «Einheiten» Alkohol pro Woche zu trinken – das entspricht etwa sechs Gläsern Wein oder 3,4 Liter Bier.

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